Es war eine Attacke aus dem Nichts. Familie B. saß am Freitagabend gerade vor dem Fernseher, als ihr vierjähriger Berner Sennenhund plötzlich auf den Vater losging und ihm in den Arm biss. Als seine Frau ihm zu Hilfe eilen wollte, griff der 90-Kilo-Hund auch sie an.
Die Besitzer haben es mit vereinten Kräften geschafft, den Hund auf den Balkon zu drängen und ihn auszusperren. Dann riefen sie die Polizei und die Tierrettung München. „Als ich ankam, hat der Hund laut gebellt und geknurrt“, sagt Nora Rainer (29) von der Tierrettung. „Normalerweise geben wir in solchen Fällen eine Spritze.“ Aber sie kam nicht an den Hund heran, ohne sich selbst zu gefährden.
Die Tierärztin versuchte, den tobenden Hund mit Leckerbissen voller Medikamente zu betäuben. Doch der Hund verschlang die Wurststücke so schnell, dass das Medikament, das durch die Mundschleimhaut aufgenommen werden muss, nicht wirkte. Die Lösung: Ein mit Betäubungsmittel gespickter Döner, den die Tierärztin durch ein gekipptes Fenster auf den Balkon warf. An dem Fladenbrot hatte der Hund lange genug zu kauen. Das Betäubungsmittel schickte ihn ins Reich der Träume.
Der Berner Sennenhund befindet sich jetzt in der Tierklinik. Warum das sonst immer friedliche Tier plötzlich derartig aggressiv geworden ist, wird jetzt geklärt. Möglicherweise steckt eine Krankheit, wie zum Beispiel ein Hirntumor, hinter der plötzlichen Wesensveränderung, sagt Rainer. Die Familie hat sich entschieden, den Hund nicht zurückzunehmen – auch aus Sorge um ihren dreijährigen Sohn, der bei der Attacke gottlob nicht im Zimmer war. KATRIN BRAUN