Auf dem grünen Zweig

von Redaktion

Katrin Habenschaden wird als OB-Kandidatin der Grünen Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) herausfordern. Die 41-Jährige aus Aubing erhielt beim Stadtparteitag 97,7 Prozent der Stimmen. Das neue Selbstbewusstsein der Partei soll nun auch zu einem historischen Ergebnis bei der Kommunalwahl führen.

VON SASCHA KAROWSKI

Anna Hanusch ist Pragmatikerin. Das Ergebnis von Katrin Habenschaden bei der Wahl zur OB-Kandidatin kommentierte die Stadträtin als Wahlleiterin derart nüchtern, als lese sie die Gebrauchsanweisung für einen Stabmixer vor: „Das ist ein schönes und eindeutiges Votum. Und wir haben einen Führerschein gefunden. Die Besitzerin soll ihn sich hier vorne abholen.“ Deutlich euphorischer war die Aubingerin Katrin Habenschaden, die soeben beachtliche 97,7 Prozent der Stimmen für ihre OB-Kandidatur erhalten hatte. Gerührt, mit Freudentränen in den Augen, nahm sie Glückwunsche und Umarmungen entgegen.

Minuten zuvor war ein neuer Imagefilm auf einer Leinwand vor 200 Grünen im Kesselhaus gezeigt worden. Habenschaden radelt durch München, joggt, füttert Schafe und ärgert sich über Verspätungen bei der S-Bahn: „Das ist nicht vergnügungssteuerpflichtig.“ Der Ausbau des Rad- und des Nahverkehrs werden mit Sicherheit neben dem Wohnungsbau bestimmende Themen im Kommunalwahlkampf sein. Der politische Gegner tue gerade in Sachen ÖPNV zu wenig, sagte Habenschaden in ihrer Bewerbungsrede. „Der ÖPNV hat die Belastungsgrenze überschritten, wenn ein Luftballon schon die ganze Stammstrecke lahmlegen kann.“ Wie berichtet, war am Valentinstag erneut ein mit Aluminium beschichteter Ballon in die Oberleitung geraten und hatte einen eineinhalbstündigen Ausfall der S-Bahn verursacht.

Und weil in Sachen ÖPNV-Ausbau zu wenig in der Stadt passiere, gehöre die große Kooperation im Rathaus abgelöst. „Die versteht die Probleme dieser Zeit nicht.“ Es werde nicht reagiert, vielmehr würden die großen Entscheidungen mit weiteren Studien und Prüfungen auf die lange Bank geschoben, rügte Habenschaden. Sie nannte als Beispiele die Tram-Westtangente. Die könnte bereits beschlossen sein, die CSU habe sie aber mit immer weiteren Prüfungen verzögert. „Verkehrswende kann so nicht kommen.“

Wohnungen bauen will Habenschaden freilich auch, das sei schließlich das größte soziale Problem in dieser Stadt. „Wenn wir bauen, dann lieber in die Höhe als in die Breite.“ Gleichzeitig sollte aber so viel Grünfläche wie möglich erhalten bleiben. Diese Doktrin bleibt eine Gratwanderung – auch für die Grünen (siehe Kasten).

Habenschaden, Fraktionschefin im Stadtrat, spricht sich darüber hinaus für den Ausbau des Radwegenetzes, für mehr Baumschutz und eine vertikale Begrünung aus. „Der Klimawandel ist längst angekommen, wenn wir uns an den Sommer vorigen Jahres erinnern.“

Gern erinnern werden sich die Grünen an die Landtagswahl, die die Partei zur stärksten Kraft in München gemacht hat. Das hallt unverkennbar nach. Habenschaden will diese Euphorie in die Kommunalwahl retten. „Die Welle hält an.“ Es biete sich eine einmalige Chance, Münchens erste grüne Oberbürgermeisterin zu stellen. „Die Zeit ist reif für einen sagenhaften Erfolg. Jetzt gewinnen wir erst mal die Europawahl, und dann stellen wir die politischen Uhren in München neu.“ So klingt Euphorie.

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