Ein Stadtrat im Vorstand und Kritik an der „Wachstumsspirale“

von Redaktion

Die Grünen haben am Samstag nicht nur eine OB-Kandidatin gekürt, sondern auch den Vorstand neu gewählt. Vorsitzende Gudrun Lux (38) ist im Amt bestätigt worden. Neu im Amt als gleichberechtigter Sprecher ist der Vize-Vorsitzende der Stadtratsfraktion, Dominik Krause (28). Sein Vorgänger Sylvio Bohr war aus beruflichen Gründen nicht erneut angetreten. Wiedergewählt als Schatzmeister wurde Christian Smolka, Julia Post bleibt Beisitzerin, Gerrit Siegers bleibt Beisitzer im Vorstand. Neu in das Gremium gewählt wurde als Beisitzerin Anais Schuster-Brandis.

Lux („Wir wollen diese Welt besser hinterlassen, als wir sie vorgefunden haben“) setzte sich bei der Wahl gegen Lyn Faltin (33) durch. Es war die einzige Wahl mit zwei Kandidatinnen. Und es war auch eine inhaltliche Wahl. Denn Faltin hatte sich bei ihrer Bewerbungsrede deutlich dafür ausgesprochen, dass die Stadt nicht weiter wachsen dürfe. „Die Wachstumsspirale aufhalten“, waren ihre Worte. Das ist schon eine Aussage, die diametral dem entgegensteht, was die Partei und die Fraktion proklamieren. Faltin kam aber immerhin auf 33,3 Prozent, Lux erreichte 60,89 Prozent.

Krause erhielt knapp 90 Prozent der Stimmen. Ein paar wenige werden ihm die Zustimmung aber sicher verweigert haben, weil die Grünen normalerweise strikt Amt und Mandat trennen. Als amtierender Stadtrat in den geschäftsführenden Vorstand aufzurücken, wird mithin eher kritisch gesehen. „Ich weiß, dass so etwas nicht Usus ist. Aber wir sind in der Vergangenheit auch schon mal davon abgewichen. Ich bitte um einen Vertrauensvorschuss, dem ich gerecht werden will“, sagte Krause.

Mit einem ebenso deutlichen Votum (bei einer Gegenstimme) hat sich die Partei am Samstag im Kesselhaus für die Siedlungsentwicklungsmaßnahme Nordost ausgesprochen. Es soll ökologisch flächenschonend gebaut werden, indem in die Höhe, weniger in die Breite gebaut wird. Zudem sind weniger Flächen für Autos gewünscht, mehr sozial geförderter Wohnungsbau und eine Bürgerbeteiligung. Im Vorfeld des Parteitages demonstrierten Gegner der SEM vor dem Kesselhaus. Sie riefen „Bauernmörder“ und setzten sich mit Trillerpfeifen in Szene. Das Aktionsbündnis Pro SEM veranstaltete eine Gegendemo. Die Teilnehmerzahlen waren auf beiden Seiten jedoch überschaubar. SASCHA KAROWSKI

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