Die Wege, die zum Kabarett führen, sind oft verschlungen. Claudia Pichler kam gewissermaßen durch die Hintertür. Sie hat sich dem Phänomen Humor von der Theorie her genähert – mit einer Doktorarbeit über „Fremdheit bei Gerhard Polt“. Und jetzt ist mit ihr passiert, was sie nie geplant hat: Sie steht mit einem eigenen Soloprogramm auf der Bühne.
„Ned blöd . . . für a Frau!“ heißt das Programm – eine Sammlung von Geschichten und Liedern, die sich nicht nur, aber eben auch um eine Erfahrung drehen, die die 33-Jährige immer wieder macht: „Ich hab studiert, ich hab auch promoviert, dann denkt man halt irgendwann, man ist jetzt erwachsen und wird überall respektiert“, erzählt sie. „Aber ma merkt, dass es oft ned so is.“
Die gebürtige Aubingerin redet, wie ihr der Schnabel gewachsen ist – und schöpft auch daraus eine Geschichte für die Bühne: „Meine Deutschlehrerin hat mir abgeraten, einen Deutsch-Leistungskurs zu belegen, weil ich ja nicht Deutsch spreche“, sagt sie. „Dabei war ich wirklich zweisprachig unterwegs.“ Mit einem wunderschönen Bairisch als Muttersprache, das sie sich bis heute erhalten hat.
Apropos Sprache: Absurde Slogans wie „Fleisch essen ist das neue Rauchen“ nimmt Pichler im Programm als „bairische Sprachbeauftragte“ aufs Korn. Und damit auch Dialekt dem folgt, was angeblich gesund und korrekt ist, propagiert sie saisonal passende Beleidigungen – vom „rausgfressnen Krapfn“ zur Faschingszeit bis zu Ganzjahres-Schlagern wie „blede Amsel oder, wenn’s ganz grob sei soi, Schoaßwiesn“.
Pichler hat Literatur, Psychologie und Politik studiert, im Züricher Verlag Kein & Aber gearbeitet und zwei Jahre lang das Theater im Fraunhofer geleitet. Sie kennt die Kabarettszene. „Das Theoretische im Kabarett hat mich sehr interessiert“, erzählt sie. „Aber dass ich selber auf die Bühne gehe, war nie der Plan.“ Bis zu jenem Tag 2013, als bei Kein & Aber ihr Buch über die Biermösl-Blosn erschien und sie vor 300 geladenen Gästen als Herausgeberin ein paar Sätze sagen sollte. „Ich hab mich da auf die Bühne gestellt, und das hat mir überhaupt nichts ausgemacht“, berichtet Pichler. „Die Leut’ waren ganz amüsiert. Da hab ich gemerkt, dass Bühne vielleicht was sein könnte, was mir gefällt.“
Michael Well, in dessen Agentur Pichler mitarbeitet, bot ihr die Gelegenheit, das auszuprobieren: Als „Drei Haxn“ trat er mit Pichler und der Lehrerin Anni Preuß aus Passau auf. Und während sich der Profi im Hintergrund hielt, entfaltete Pichler unbekümmert ihr komödiantisches Talent. Doch die vollen Terminkalender der Haxn zu koordinieren, erwies sich als schwierig, und Pichler erkannte: „Wenn ich mehr machen will, muss ich’s fast allein probieren.“
Zu viel Wissen, das musste „Frau Doktor Polt“ erkennen, kann auch hinderlich sein: „Bei jedem Thema, über das ich nachgedacht habe, hab ich überlegt: Wer hat das schon gemacht?“, berichtet sie. Doch nun steht das Programm – ganz allein geschrieben, wie sie betont. Und erneut wird ihr Wissen zur Last: „Ich kenn’ ja viele Leut in der Szene“, sagt sie. „Die schaun natürlich, was ich da jetzt mache.“ Und lachend fügt sie hinzu: „Ich fühl mich schon beobachtet.“
Vor allem die Lieder machen sie nervös. Patzer am Akkordeon oder ein Hänger beim Text lassen sich eben nicht kaschieren. Doch der Hauptteil des Programms ist Wortkabarett, und da vertraut Pichler auf ihr Mundwerk. „Überprobt bin ich nicht“, gesteht sie lachend. Denn auswendig lernen will sie ihr Programm ganz bewusst nicht. „Das soll ja immer noch mein natürliches Erzählen bleiben. Vielleicht bin ich auch einfach zu faul.“ Was soll schon passieren. Schlimmstenfalls vergisst sie eine Passage. Aber, sagt sie triumphierend, „das ist der Vorteil beim Soloprogramm, dass nur ich weiß, was ich vorhab’“.
Die Neugier jedenfalls ist groß: Die München-Premiere am 28. März im Literaturhaus ist schon ausverkauft. Doch für drei Termine vor der Sommerpause im Großraum München gibt es noch Karten: am 30. März in Bad Tölz, am 7. April in Freising und am 1. Juni auf dem Wendelstein. Danach geht es erst im Herbst wieder weiter. Infos und alle Termine auf www.claudiapichler.com.