Gut 10 000 Radler haben am Sonntag für eine bessere Verkehrsinfrastruktur demonstriert. Sie legten mit ihrer Sternfahrt zeitweise den Altstadtring für den Autoverkehr lahm. Die Veranstalter des Radl-Bürgerbegehrens nutzten den Protest, um auf ihre Ziele aufmerksam zu machen.
Auf Kundgebungen ist es üblich, dass die Redner auf der Bühne Applaus bekommen. Der Fahrradfahrer hat jedoch noch ein anderes Instrument zur Verfügung als seine Hände: die Klingel. Die erschallte nach jeder Forderung der Kundgebung auf dem Königsplatz am Sonntagmittag. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) hatte zur Sternfahrt aufgerufen, Treffpunkt war der Königsplatz. Dort fanden sich laut Polizei 10 000 Radler mit ihren Gefährten ein.
Das ist nur ein kleiner Teil der etwa 300 000 Radler, die tagtäglich auf Münchens Straßen unterwegs sind – gemessen wurde diese Zahl im Jahr 2017. Die Stadt tut noch nicht genug für die wachsende Zahl der Radfahrer, findet etwa Andreas Groh vom ADFC. Gerade wenn es darum gehe, Parkplätze oder Fahrspuren zugusten des Radverkehrs zu streichen, kneife die Politik immer wieder. Das Bündnis aus ADFC, Grünen, Linken, Bund Naturschutz und Green City will deshalb den Druck erhöhen und hat zwei Bürgerbegehren initiiert (wir berichteten): Im ersten fordert das Bündnis allgemeine Verbesserungen in der Fahrradinfrastruktur – also etwa sicherere, breitere und komfortablere Radwege. Im zweiten geht es ganz konkret um einen Altstadt-Radlring.
Für beide Bürgerbegehren sammelten Freiwillige am Sonntag Unterschriften. Kommen 33 000 zusammen, muss der Stadtrat einen Bürgerentscheid organisieren. „Es kann sein, dass wir diese Schwelle heute bereits überschritten haben“, sagte Groh. Selbst wenn das nicht gelungen sei, so zweifle er nicht daran, dass genügend Unterschriften zusammenkommen werden.
Beim Treffen der Länderverkehrsminister war der Radverkehr ebenfalls Thema. Die Minister fordern vom Bund eine „fahrradfreundliche Novelle“ der Straßenverkehrsordnung. Diese solle etwa festschreiben, dass Radfahrer von anderen Fahrzeugen nur noch in einem Mindestabstand von 1,50 Metern überholt werden dürfen. Außerdem sollen Lkw innerorts nur noch in Schrittgeschwindigkeit rechts abbiegen dürfen.
SEVERIN HEIDRICH