Man habe wohl zu wenig Werbung gemacht, sei aber dennoch zufrieden, schätzten die Veranstalter Christian Schwarzenberger und Tilman Schaich. Im Fokus der Bundespolitik steht derzeit ohnehin die Situation in Berlin – dort fordert ein Volksbegehren notfalls die Enteignung großer Wohnungsgesellschaften (siehe unten). Bei der Demo sprachen Mieter von ihren Sorgen.
Opfer von Eigenbedarf
„Wir haben vor einer Wochen vom Vermieter eine Eigenbedarfskündigung bekommen“, sagt Florian Halser. Der 49-jährige Versicherungskaufmann hat jetzt bis zum 30. September Zeit, sich mit seiner fünfköpfigen Familie eine neue Bleibe zu suchen. „Unser Baby Elja kam erst am 21. Januar zur Welt“, erzählt Halser. „Wir haben acht Jahre in der Wohnung in Ottobrunn gewohnt und hätten uns auf den 85 Quadratmetern, für die wir bislang 1150 Euro Warmmiete bezahlen, schon arrangiert.“ Zur Familie gehören noch Tochter Nora (6), seine Frau Nadja, die vor der Babypause als Erzieherin gearbeitet hat und Joshua (10). „Gleichzeitig mit der Kündigung, die der Vermieter damit begründet, dass sein alleinstehender Sohn einziehen will, hat er uns auch noch eine Mieterhöhung mitgeschickt“, ärgert sich Halser. Ab Juni soll er 1230 Euro warm bezahlen – jetzt hofft er auf eine der raren Sozialwohnungen.
Nachbarn entmietet
„Ich habe hier in der Stadt mittlerweile mehr von Entmietung mitbekommen, als ich mir je hätte träumen lassen“, sagt Veronika Grüning. Die 43-jährige Designerin aus Obergiesing ist erschüttert: „Meine Nachbarn sind betroffen, hier ist Münchens bekanntester Vermieter, Haus von Beck, am Werk.“ Auch sie habe sich vor Gericht gegen Mieterhöhungen wehren müssen. „Das Problem hat in München mittlerweile eine Dimension erreicht, dass in vielen Fällen gegen die Würde der Bürger verstoßen wird.“ Sie protestiert, um sich später nicht selber vorzuwerfen, untätig gewesen zu sein. „Ich will verhindern, dass es tatsächlich so kommt, dass man sein letztes Hemd geben muss für das letzte Loch und die Politik aufrütteln“, sagt Grüning.
Angst um Mischung
„Wir leben in der Maxvorstadt und sehen ringsum eine besorgniserregende Entwicklung“, sagen Sandra und Helge Sturmfels. Vor 15 Jahren sind die Chefsekretärin und der Redakteur aus Frankfurt am Main nach München zurückgezogen. „Schon damals war die Wohnungssuche ein Marathon“, berichten sie. Das Paar hatte Glück und fand eine vorbildliche Vermieterin. „Sie achtet auf eine gute Mischung im Haus und hat in den 15 Jahren nur einmal die Miete erhöht.“ 770 Euro kalt zahlen sie für 75 Quadratmeter. „Von einer solchen Miete können unsere jüngeren Kollegen, die im Moment suchen, nur träumen“, wissen sie. Die Demo macht ihnen Hoffnung. „Hier sind auch Wohlhabende dabei, die für das Wohl der weniger Wohlhabenden demonstrieren“, freut sich Helge Sturmfels.
Angst vor Vertreibung
„Ich lebe seit 20 Jahren in meiner Wohnung in der Isarvorstadt und habe große Zukunftsangst“, sagt Andrea Keppler. In dem Haus, in dem sie mit Tom Gemeinholzer im Dachgeschoss lebt und das sie beim Einzug selbst renoviert hat, soll nun das Dach aufgestockt werden. „Es stehen überhaupt viele Dinge an, wir sollen einen Aufzug bekommen, Balkone und vieles mehr“, sagt Keppler. Sie sei davon besonders betroffen, da sich der Grundriss ihrer Wohnung ändern soll. „Momentan ist es eine Zweizimmerwohnung, es soll eine Dreizimmerwohnung werden.“ Die Mieter des Hauses haben sich jetzt an den Bezirksausschuss gewendet, an Politiker und an die Stadt. „Es ist eine beängstigende Entwicklung im Gange. Viele Häuser in Giesing stehen vor einer Modernisierung und die Mieter haben Angst, aus ihren Wohnungen vertrieben zu werden“, sagt die 49-Jährige.