Gegen Bettenburgen

von Redaktion

Hotel-Stopp für Bahnhofsviertel gefordert

Ein Bürger hat es im Bezirksausschuss (BA) Ludwigs- und Isarvorstadt zuerst auf den Punkt gebracht: „Warum ist der Wohnanteil in der Innenstadt bei Neubauten so niedrig, obwohl es bereits seit 2006 das Innenstadtkonzept gibt“, fragte er das Gremium. Schon damals hatte der Münchner Stadtrat beschlossen, dass der Wohnanteil bei Neubebauung mindestens 20 bis 30 Prozent liegen muss. „Im Bahnhofsviertel wurde dies jedoch nicht in die vorhandenen Bebauungspläne übernommen und auch bei Einzelvorhaben kaum berücksichtigt“, erklärte Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher. Die Begründung der Verwaltung dafür: Es sei dort zu laut.

Das sehen die Lokalpolitiker völlig anders und wehren sich in einem Antrag einstimmig gegen die immer stärkere Konzentration von Hotels rund um den Bahnhof. Es gebe auch in diesem quirligen Viertel viele ruhige Höfe und gute, zentrale Wohnlagen. Der BA will deshalb jetzt einen Hotelbaustopp im südlichen Bahnhofsviertel durchsetzen. „Durch diese Monoübernachtungskultur ist die viel gelobte und gut funktionierende Urbanität hier stark gefährdet“, so Paul Bickelbacher weiter. Bereits die aktuellen Zahlen verhießen nichts Gutes: Auf 0,2 Prozent der Stadtfläche konzentrierten sich zwei Drittel aller Münchner Hotelbetten. Und zahlreiche weitere Hotelburgen seien genau hier in Planung.

Auch wenn die juristischen Möglichkeiten begrenzt sind, soll der Stadtrat jetzt Mut beweisen, die städtebaulichen Ziele des Innenstadtkonzepts offensiv verfolgen und darüber hinaus zusätzlich Hotelneubauten stoppen, heißt es im BA. Nur so komme es dann auch zu mehr Anwohnern, die sich engagieren und Verantwortung für ihre Nachbarschaft übernehmen. Kein unwesentlicher Aspekt in einem Viertel, das als Rotlicht-, Shishabar- und Clubmeile immer wieder Schlagzeilen macht. BETTINA ULRICHS

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