Auf dem Perlacher Friedhof liegen mehrere Mitglieder der bekanntesten Widerstandsgruppe des Dritten Reichs, der Weißen Rose: Die Geschwister Sophie und Hans Scholl, Christoph Probst und Alexander Schmorell. Ihre Gräber sind allerdings schwer zu finden. Das soll sich endlich ändern.
Das Grab trägt die Nummer 73-1-18/19. Hier wurden die Geschwister Scholl zusammen mit ihrem Freund und Mitstreiter Christoph Probst 1943 nach der Hinrichtung in Stadelheim nebenan beerdigt. Auch die Weiße-Rose-Mitglieder Alexander Schmorell und Hans Leipelt sind in Perlach begraben. Das Ärgernis:. „Immer wieder gehen Beschwerden ein, dass diese Gräber nur schwer auffindbar sind“, erzählt die ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete Hildegard Kronawitter.
Die Witwe des früheren Oberbürgermeisters Georg Kronawitter ist Vorsitzende der Weißen-Rose-Stiftung. Dort kümmert man sich um die Gedenkstätte in der Universität und um Ausstellungen zum Thema Weiße Rose und Widerstand in In- und Ausland. Auch schulpädagogische Arbeit wird von der Stiftung betrieben. Oft habe man Besuchergruppen, die an die Gräber der Weißen Rose gehen wollen, berichtet Kronawitter. Die mühsame Suche nach dem Weg werde „der Ehrung als Widerstandskämpfer nicht gerecht“, meint sie. Andere Ehrengräber wie etwa das des früheren Ministerpräsidenten Wilhelm Hoegner seien auf dem Friedhof am Perlacher Forst ebenfalls nur schwer zu finden. Kronawitter hat sich deshalb auch schon an die Stadt gewandt.
Dort plant man Verbesserungen. So sollen im Laufe dieses Jahres der Friedhof am Perlacher Forst und der Waldfriedhof mit einem neuen Orientierungs- und Leitsystem ausgestattet werden. Das beinhaltet eine Beschilderung an jedem Eingang und an zentralen Wegkreuzungen mit Wegweisern zu markanten Punkten. Ganz nach dem Vorbild eines erfolgreichen Pilotprojektes am Westfriedhof. Am Perlacher Forst sollen nun die Gedenkanlagen, zu denen unter anderem die Gräber der Weißen Rose gehören, künftig entsprechend ausgeschildert und beschrieben werden. Auch bei den weiteren städtischen Friedhöfen will die Stadt dieses System anwenden – Zug um Zug.
„Sehr erfreulich, das war überfällig“, sagt Kronawitter. An den Gedenktagen, wie zum Beispiel dem Tag der Hinrichtung am 22. Februar, würden viele Menschen dort gerne Blumen, vor allem weiße Rosen, ablegen wollen.