Ein singender Baum, ein Meer aus Seerosen und ein leuchtender Nikolaus im japanischen Meditationsgarten – all das sollten Besucher für einen Eintrittspreis von 18 Euro beim Spaziergang durch den festlich beleuchteten „Christmas Garden“ im Westpark erleben. Vom 20. November 2019 bis 6. Januar 2020 wollte der Veranstalter Global Concerts in Zusammenarbeit mit „Christmas Garden Deutschland“ (CGD) auf der Westseite des Parks einen etwa 1,7 Kilometer langen Rundweg mit verschiedenen Lichtinstallationen im weihnachtlichen Design, einem nostalgischen Karussell, einer Eislaufbahn und gastronomischen Angeboten errichten. Ein Konzept, das in etlichen anderen Großstädten Zehntausende Besucher anzieht. Doch in München stößt CGD seit Jahren auf Bedenken, wie Geschäftsführer Christian Diekmann enttäuscht feststellt. „Wir haben darum unseren Antrag für den Westpark im Kreisverwaltungsreferat wieder zurückgezogen.“
Vor Kurzem hat der Bezirksausschuss (BA) Sendling-Westpark die Idee grundsätzlich abgelehnt. „Eine sehr große Fläche des Westparks wäre über Wochen hinweg für Fußgänger und Radfahrer nicht zugänglich“, moniert BA-Chef Günter Keller (SPD). Weitere Gründe waren aus Sicht des Stadtteilgremiums die Kommerzialisierung der Grünfläche und die „immense Lichtverschmutzung“, die das Veranstaltungsformat verursache. Zudem würden auch die auf dem Areal lebenden Tiere wie Hasen und Füchse stark beeinträchtigt, so die Stadtteilpolitiker.
Vor rund drei Wochen hatte das Münchner Unternehmen Global Concerts einen Antrag beim Kreisverwaltungsreferat (KVR) eingereicht. Mit weihnachtlichen Lichtinstallationen sollte demnach der Teilbereich des Westparks samt seiner Bauwerke kunstvoll in Szene gesetzt werden. Das Bayerwaldhaus sollte beispielsweise als Lebkuchenhaus erscheinen. In Zahlen: Für Projektkosten von insgesamt 900 000 Euro wollte das Unternehmen eine wiederkehrende Veranstaltung mit jährlich etwa 80 000 Besuchern etablieren. Das Ziel: den Westpark auch in der Winterzeit zu einem festen Ausflugsziel für Menschen aus aller Welt zu machen. Damit kein Gedränge und keine Hektik wie auf den Weihnachtsmärkten entsteht, sollen Besuchszeit und Anzahl der Besucher begrenzt werden, so der Plan.
„Das KVR hat gewisse Bedenken wegen des Verkehrs gehabt“, erklärte Diekmann nun auf Anfrage unserer Zeitung. „Entscheidend war aber die kategorische Ablehnung vom Bezirksausschuss vor Ort.“ Warum das Stadtteilgremium die Idee so kategorisch ablehnt, versteht Diekmann nicht. „Das Konzept ist auf die weihnachtliche Zeit abgestimmt und funktioniert erfolgreich in vielen anderen Städten“, sagt er. „In München versuchen wir seit drei Jahren, eine Fläche zu finden – leider bislang vergeblich.“
Das Konzept des „Christmas Garden“ hat seinen Ursprung im Royal Botanical Garden in London. Inzwischen gibt es in England sechs weitere alljährliche Stationen. 2016 fand die Veranstaltung zum ersten Mal auch in Deutschland statt – im Botanischen Garten in Berlin. Weitere Standorte sind inzwischen Dresden und Stuttgart. Konkrete Planungen gibt es heuer für Münster und Madrid – und eigentlich München. „Doch das wird jetzt sicher nichts mehr dieses Jahr“, sagt Diekmann.
Viele Alternativen gibt es in der Landeshauptstadt nicht, weiß der Veranstalter. Eine Kooperation mit dem Tierpark wurde inzwischen verworfen. Der Englische Garten kommt nicht infrage, wohl vor allem, weil es keinen geeigneten abtrennbaren Bereich gibt. Seit drei Jahren führt Diekmann bereits Gespräche, um den Botanischen Garten als Veranstaltungsort fix zu machen, doch da gestaltet es sich offenbar schwierig, weil viele staatliche Stellen mit im Boot sitzen. Dennoch will CGD diese Option nun weiter verfolgen. Vielleicht geht München dann doch noch ein weihnachtliches Licht auf.