Es sind schaurige Szenen, die sich in der Nacht zu gestern am Hauptbahnhof abgespielt haben. Der erste Schuss fiel um Mitternacht, wenige Sekunden später folgten verzweifelte Schreie. Bundes- und Landespolizei nutzen die Gelegenheit und hielten in der seit Montag gesperrten Schalterhalle des Hauptbahnhofs eine Anti-Terror-Übung ab.
Das Szenario: Geiselnahme am Münchner Hauptbahnhof. Drei Täter schießen auf Reisende. 15 Minuten später rücken schwer bewaffnete Polizisten in Schutzausrüstung an. Auf Kommando stürmen sie die Schalterhalle. In einer Ecke liegen zwei Männer. Sie rufen um Hilfe, einer ist am Fuß verletzt. Überall Blut. Die Szenen sind nichts für schwache Nerven, die Polizei wertet sie aber als realitätsnahes Szenario. Insgesamt 280 Einsatzkräfte und Statisten probten für den Ernstfall, die Beamten voll bewaffnet. Kunstblut, Schminke und sogar Körperteile aus Kunststoff sorgten für zusätzlichen Realismus in dem Gebäude.
Um die Übung so realistisch wie möglich zu machen, wussten auch die Polizisten nicht, was sie erwartet. „Es ging vor allem um Kommunikation und das taktische Vorgehen“, erklärt Polizeidirektor Jürgen Vanselow.
Der Plan geht auf. In vier Durchgängen kämpfen Bundes- und Landespolizei Seite an Seite gegen den Terror. Kurz vor vier Uhr ist Schluss. Die drei Täter sind vier Mal gefasst und die zahlreichen Verletzten versorgt worden. Auch der Polizeidirektor ist sehr zufrieden: „Die Übung ist gut gelaufen.“
Beschwerden von Anwohnern gab es nicht. Dafür haben sich auch Schaulustige Ort eingefunden, „Ich finde es ganz schön spannend. Schüsse, Action – das ist viel besser als im Fernsehen“, sagt etwa Hans Hermann Oediger. ANNA HEISE, ACHIM SCHMIDT