Der letztjährige Martinsumzug der Waldperlacher Kindergärten entwickelt sich für die Stadt immer mehr zu einer riesigen Peinlichkeit. Zunächst hatte das Veterinäramt wegen des „Martinsgänse“ genannten Gebäcks Alarm geschlagen – die Beamten sahen das Wohl von schnatterndem Federvieh gefährdet. Nun will die Stadt den Perlacher Bezirksausschuss zwingen, 250 Euro Zuschuss für den Kindergarten-Umzug nicht auszuzahlen.
Es ist ein ärgerliches Nachspiel einer Geschichte, über die inzwischen ganz München lacht und fassungslos den Kopf schüttelt. Der evangelische Kindergarten in Waldperlach hatte bei der Organisation des Martinsumzugs im vergangenen November Ärger mit dem Münchner Veterinäramt. Dort hatte man tatsächlich angenommen, bei den Martinsgänsen, die an die Kinder verteilt werden sollten, handle es sich um echte Tiere. Gleich zwei Sachbearbeiter der Stadt erkundigten sich bei der verantwortlichen Kindergärtnerin ernsthaft nach den Umständen, nach artgerechter Haltung, Transport und eventueller Schlachtung der Gänse vor Ort. Am Ende konnten die Kindergartenkinder dann doch mit ihren bunten Martins-Laternen durch den angrenzenden Grünzug im Gefilde ziehen – und am Ziel bei einem Becher Punsch noch Kekse in Gansform knabbern.
Danach erhielt der Kindergarten für die Bearbeitung des Antrags und die Nutzung der Grünanlage allerdings noch eine saftige Rechnung über 250 Euro. Für so etwas hat die Einrichtung jedoch kein Geld. Weshalb schnell ein Antrag fürs Budget des Bezirksausschusses gestellt wurde. Allerdings erst im Dezember, also nach der Veranstaltung. Im Februar bekam ihn schließlich der BA auf den Tisch und wollte die 250 Euro trotz abgelaufener Frist gerne bezahlen. Nun aber erklärt das Direktorium, dass der BA das nicht dürfe, weil es nicht den Richtlinien zum Stadtbezirksbudget entspreche. Da bestehe auch kein Ermessensspielraum für den BA, er habe seinen Beschluss zu ändern und den Antrag abzulehnen. Stimme der BA dem nicht zu, werde man den OB informieren, so die Drohung.
„Man sollte glauben, die Stadt hat sich genug blamiert, aber die machen das Fass tatsächlich noch mal auf“, staunte SPD-Sprecherin Astrid Schweizer auf der jüngsten Sitzung. Die Stadtteilpolitiker wollen es nun drauf ankommen lassen. „Ich möchte eigentlich schon gern wissen, wie der OB reagiert.“ BA-Chef Thomas Kauer (CSU), der Oberbürgermeister Dieter Reiter die ganze Sache in einem Schreiben erklären will, spricht von Idiotie. „Wo bleibt eigentlich das Herz in der Weltstadt mit Herz?“ So könne man Traditionen wie den Martinsumzug auch töten. Carmen Ick-Dietl