20 000 Stimmen für ein Europa ohne Hass

von Redaktion

In zahlreichen Städten haben Menschen gestern gegen Nationalismus und für ein solidarisches, friedliches Europa demonstriert. In München waren unter dem Motto „Ein Europa für Alle“ laut Veranstalter rund 20 000 mit dabei.

VON JUDITH BAUER

Der Himmel in der Münchner Innenstadt strahlte am Sonntag in seinem schönsten Europa-blau, Soulklänge lagen in der Luft, bunte Flaggen und glitzernde Goldfolie wehten im Wind. „Perfekte Bedingungen also, um sich für die Zukunft der Europäischen Union einzusetzen“, sagte Simon Strohmenger, Sprecher des Bündnisses „Ein Europa für Alle – Deine Stimme gegen Rechts“. Der Veranstalter schätzte, dass rund 20 000 Europa-Befürworter dem Aufruf gefolgt sind, gegen Rassismus, Ausgrenzung und Einzelstaatlichkeit zu demonstrieren.

Matthias Jena, Vorsitzender des DGB Bayern, forderte gute Arbeitsbedingungen statt eines Dumping-Wettbewerbs in ganz Europa. Er rief dazu auf, die Europäische Union als „Vorbild für eine faire Globalisierung“ aufzustellen. Rechtspopulisten, so warnte er, wollten „unser Land und Europa spalten“.

Zusammengeschlossen haben sich etwa 50 Organisationen. Neben dem Bund Naturschutz, der katholischen Arbeitnehmer-Bewegung und der bayerischen Flüchtlingshilfe waren auch zahlreiche Kunst- und Kulturschaffende vertreten. Strohmenger erklärt: „Wir machen uns gemeinsam stark für ein anderes Europa: Eines, das solidarisch, ökologisch, nachhaltig und friedlich ist. Natürlich haben wir unterschiedliche Schwerpunkte, aber uns einen die Liebe zu Europa und das Ziel, möglichst viele vor der Europawahl zu mobilisieren.“ Bei der anstehenden Wahl gehe es um eine Richtungsentscheidung. „Wir hoffen, dass so viele Wähler wie möglich mit ihrer Stimme Europa eine Zukunft geben und Fremdenhass und Abschottungspolitik eine Absage erteilen“, sagt Strohmenger.

Bei vielen Demonstranten stößt er damit auf offene Ohren. Etwa beim Ehepaar Achleitner, das in den letzten Jahren viel gereist ist und verschiedene Kulturen kennen- und lieben gelernt hat. „Europa hat uns allen 70 Jahre Frieden, Sicherheit und Wohlstand geschenkt“, sagen die Rentner fast trotzig. „Trotzdem machen Rechtsextreme Stimmung gegen den europäischen Gedanken der Solidarität. Das dürfen wir doch nicht einfach hinnehmen.“ Und genau wie die beiden möchte auch die jüngere Generation Flagge bekennen für Europa. Sophie Bergbauer und Lea Schweiger sind das erste Mal auf einer Demonstration. „Die Europawahl ist das Top-Thema bei uns im Freundeskreis. Da können wir doch nicht daheim auf der Couch sitzen“, sagen sie. Ihre Lösung für ein starkes Europa: „Mehr Liebe! Ohne Solidarität und Zusammenhalt zwischen den Ländern geht es nämlich nicht. Unsere Zukunft heißt Europa!“

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