Zwei Wochen liegt sie nun schon zurück: Die Lange Nacht der Musik. Zwei Wochen, die genügt haben, das Schlafdefizit, den kleinen selbst verursachten Jetlag, wieder auszugleichen. Das macht einem schon zu schaffen, wenn man nach ein Uhr nachts in eine Spelunke gerät, in der ein Alleinunterhalter das Werk von Andreas Gabalier nachsingt. Aber gut, Lange Nacht der Musik ist in München einmal im Jahr.
Ja, das schon. Aber sie ist nicht die einzige Lange Nacht. Das Konzept greift um sich. Im Herbst hat München die Lange Nacht der Museen, wir haben auch schon Plakate für eine Lange Nacht der Architektur gesehen. Regelmäßig bietet die Innenstadt eine Lange Shopping-Nacht. Und Buchhandlungen haben schon angeboten, dass man sich nach Ladenschluss in ihnen einsperren lassen und eine Lange Nacht des Schmökerns absolvieren kann.
Das wäre die ursprünglichste Form von Langer Nacht. Lesen, Reisen in der Fantasie. Weil wir als Kinder, denen Schlafen als Verlust von Lebenszeit erschien, ja öfter die Lange Nacht der Taschenlampe unter der Bettdecke zelebrierten. Als Jugendliche in den Ferien konnten wir – dann bei offizieller Nachttisch-Beleuchtung – uns locker bis zwei, drei Uhr in ein Buch verbeißen. Heute können wir das nicht mehr. Das hält der Ellbogen nicht mehr aus: stundenlang einen Kopf zu stützen.
Die Lange Nacht von egal was führt uns in die Kindheit zurück. Noch einmal ungehorsam sein und den Zeitrahmen sprengen. Neben der Langen Nacht des Jahreswechsels gönnen wir uns eine zweite Lange Nacht. Mindestens eine zweite.
München könnte noch mehr Lange Nächte anbieten. Die Lange Nacht des Kreisverwaltungsreferats, bei der die Bürgerbüros von 20 bis 3 Uhr geöffnet sind und man bei Behörden-Neonlicht um Mitternacht eine Wartenummer ziehen kann. Die aufreibende Lange Nacht der Parkplatzsuche – auch nach 23 Uhr nur mit Ticket oder Anwohnerausweis. Die Lange Nacht der Backshops. Die Lange Nacht der Stammstreckensperrung. Die Lange Nacht der Gärtnerplatz-Vermüllung. Oder die Lange Nacht des Viktualienmarkts (also an einem Samstag im Jahr bis 19 Uhr statt 16.30 Uhr geöffnet).
München hat Lange-Nacht-Potenzial. Wobei man auch nicht jedes Angebot annehmen muss. Und wir eigentlich eine Lange Nacht mit geringem Actionwert bevorzugen würden: die Lange Nacht des Ausschlafens. Einfach mal um 20 Uhr sich zur Ruhe betten. Aber es müsste halt offiziell von jemandem veranstaltet und plakatiert werden. Dann ist es ein Event, und wir sind dabei.
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