Sanierung mit der Brechstange

von Redaktion

Isarvorstadt: OB Dieter Reiter besucht das ehemalige Künstlerhaus an der Thalkirchner Straße

Franka Potente hat hier mal gewohnt. Die Schauspielerin ist aus dem sogenannten Künstlerhaus an der Thalkirchner Straße 80 aber längst ausgezogen. Die verbliebenen Mieter leben indes seit längerer Zeit wie in einem Albtraum. Die beiden denkmalgeschützten Häuser in der Isarvorstadt gleichen einer Dauerbaustelle. Sie sollen luxussaniert werden.

Das Vordergebäude ist laut Tilman Schaich vom Bündnis „#ausspekuliert“ mittlerweile bis auf einen Mieter und den Kindergarten leer. Elf Parteien wohnten dort einmal. Im Rückgebäude sind von ehemals 15 Mietparteien noch sieben übrig. Zweimal fand bereits ein Eigentümerwechsel statt. Was der jetzige Investor vorhat, ist Schaich zufolge unklar. Der Eigentümer reagiere nicht auf Anfragen der Mieter, berichtet der 49-Jährige, der selbst im Rückgebäude wohnt.

Am heutigen Montag will sich OB Dieter Reiter (SPD) ein Bild von den Zuständen im Künstlerhaus machen. Reiter fordert schon seit längerer Zeit vom Bund Gesetzesänderungen, um Entmietungspraktiken stoppen zu können. Schaich sagt, es gehe bei dem Treffen mit Reiter vor allem darum, zu erfahren, welche Ideen und Impulse die Stadt setzen könne, um den Leerstand in privaten und städtischen Wohnungen zu reduzieren. Schaich zahlt derzeit eine Miete von 675 Euro warm für seine 69-Quadratmeter-Wohnung. Ein Schnäppchen in dieser guten Wohnlage. Nach der Modernisierung soll die Wohnung des Designers rund 1500 Euro kosten. Doch wie es weitergeht mit dem Gebäude, wisse niemand.

Den dort ansässigen Künstlern und Fotografen waren bereits 2016 ihre Ateliers vom Erstkäufer des Hauses sofort gekündigt worden. Die anderen Bewohner haben laut Schaich eine Mieterhöhung über den höchstmöglichen Prozentsatz und die Ankündigung einer Modernisierung erhalten, wonach sich die Mieten um teilweise rund 120 Prozent erhöhen sollen. Das Leben in den Häusern sei den Mietern mit unterschiedlichen Maßnahmen Stück für Stück ungemütlicher gemacht worden, berichtet Schaich. Zeitweise habe es kein Warmwasser und keine Heizung gegeben. Zudem seien Bauarbeiter in leer stehende Wohnungen einquartiert worden. KLAUS VICK

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