Gefahr durch Ozon- und UV-Belastung

von Redaktion

Sonne pur und tagelang über 30 Grad: München genießt den Sommer – und ächzt unter den Nebenwirkungen der Hitze. Denn die starke Sonnenstrahlung lässt die Ozon- und UV-Werte extrem steigen. Was macht das mit unserem Körper? Wie kann man sich schützen?

VON ANDREA STINGLWAGNER

Die Werte klingen alarmierend: Der UV-Index kletterte in München in der vergangenen Woche auf Stufe neun, Gesundheitsgefahr „sehr hoch“. Auch für die kommenden Tage prognostiziert der Deutsche Wetterdienst ähnliche Werte. Beim Luftschadstoff Ozon muss ab einem Wert von 180 Mikrogramm pro Quadratmeter Luft die Bevölkerung gewarnt werden – und das tat das Bayerische Landesamt für Umwelt diese Woche mehrmals. In München, an der Messstation Lothstraße, wurden am Donnerstag 187 Mikrogramm Ozon gemessen, in Garmisch-Partenkirchen sogar ein Stundenmittelwert von 224.

Und auch die nächsten Tage soll es ähnlich weitergehen. So lange empfiehlt das Umweltamt, die Wohnung nur morgens zu lüften und dann die Fenster bis zum Abend geschlossen zu halten. Auf die „Nutzung von mit Verbrennungsmotoren betriebenen Kraftfahrzeugen, Maschinen und Geräten wie Rasenmäher“ sollte man verzichten.

Doch wie gefährden ultraviolette Strahlung (UV) und Ozon unsere Körper? Sonnenbrand oder Bindehautentzündung sind die kurzfristige Wirkung von zu viel UV-Strahlung, langfristig drohen vorzeitige Hautalterung, Hautkrebs oder eine Linsentrübung im Auge (Grauer Star). Ozon geht vor allem auf die Lunge: „Es reizt die Atemwege, verursacht Husten, Kopfschmerzen oder Atembeschwerden. Auch Einschränkungen der Lungenfunktion sind möglich“, warnt das Umwelt-bundesamt. Ozon wirke nicht auf alle Menschen gleich, erklärt Professor Dennis Nowak, Chef des Instituts für Umweltmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU). Besonders gefährdet seien Kinder und Allergiker. „Kinder haben im Verhältnis zur Körperlänge eine größere Lungenoberfläche.“ Dadurch können sie verhältnismäßig mehr Schadstoffe aus der Luft aufnehmen. Laut Professor Sigmund Silber, Kardiologe aus München, solle man bei den hohen Ozon- und UV-Werten vor allem versuchen, nicht ins Freie zu gehen und direkte Sonneneinstrahlung, besonders auf den Kopf, vermeiden.

Was die Menschen vor allem gefährde und die Notaufnahmen und Arztpraxen fülle, sei der Wasserverlust. Professor Silber: „Grundsätzlich ist Hitze für jeden Menschen gefährlich – wenn er zu wenig trinkt. Die größte Gefahr besteht bei trockener Hitze, wie sie die derzeitige Sahara-Hitzewelle mit sich bringt. Denn da merken viele nicht, dass sie schwitzen.“ Bei zu wenig Flüssigkeitszufuhr werde das Blut-Volumen geringer. „Dann kann es auch bei einem gesunden Menschen zur Ohnmacht kommen.“

Umweltmediziner Nowak rät zudem: „Vermeiden Sie in den Mittags- und Abendstunden körperliche Belastungen.“ Je mehr man körperlich aktiv ist, umso höhere Luftmengen und somit auch umso mehr Schadstoffe nehme man auf. Abends ab 21 Uhr aber, wenn die Sonne nicht mehr gefährlich strahlt, sinken auch die Ozon-Werte deutlich. Und dann lässt sich der Sommer ja auch noch genießen: zum Beispiel im Biergarten.

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