Es ist Freitag. Ein „Fridays for Future“-Tag, Schüler und Studenten ziehen durch die Straßen und kämpfen für die Zukunft. An der Zukunft ihres Viertels arbeiten an diesem Freitag Emily, Ronja, Esther, Laura und Luna. Laura streckt den Zeigefinger in die Luft, als wäre sie an diesem Freitagnachmittag immer noch in der Schule. Dabei hat die Zehjährige hier das Sagen. „Ich will mehr Klettermöglichkeiten im Taxispark“, sagt sie und beißt von ihrem Apfel ab. Thomas Neuberger freut sich, kramt sofort eine Visitenkarte heraus und will einen Ortstermin. Der Termin steht. So hat sich der Lokalpolitiker des Bezirksausschusses Neuhausen-Nymphenburg das Gespräch vorgestellt.
Während draußen Kinder spielen, ist es in dem kleinen containerähnlichen Häuschen ernst. Denn hier auf dem Abenteuerspielplatz (ASP) in Neuhausen tagt gerade die Kinderjury. Im Herbst 2018 wurde das Projekt im BA Neuhausen beschlossen, seit Februar gibt es die Jury, dies ist die zweite Sitzung.
Gekommen sind fünf Mädchen, der Kinderbeauftragte Thomas Neuberger, der Jugendbeauftragte Nimar Lirawi, Wolfgang Schwirz, zuständig für Bildung und Sport, und Susanne Kussmaul vom ASP. Es gibt Kuchen und Äpfel. Die Mädchen hören mal gespannt, mal abwesend zu, wenn Neuberger den BA und seine Arbeit erklärt.
Als er sagt, „wir haben das Budget und ihr dürft darüber bestimmen“, hat er dann doch wieder die volle Aufmerksamkeit. Emily und Ronja schauen sich gespannt an. „Rosa Elefanten werden wir nicht davon kaufen“, sagt Neuberger und lacht. Stattdessen finanziert der BA als ersten Wunsch der Kinderjury einen Antrag der elfjährigen Christina. Sie vermisse eine gute Klassengemeinschaft. Deswegen gibt es nun Vorträge an Schulen über Mobbing und Klassenzusammenhalt, sagt Neuberger.
Die Mädchen im Alter von zehn bis 15 nicken, ja das ist wichtig. Esther fällt dann doch auch noch was ein: „An der Landshuter Allee ist es so laut, wann bauen die endlich den Tunnel“, fragt sie und verdreht genervt die Augen. Es ist ein leidiges Thema im BA und regelmäßig auf der Tagesordnung. Für den Bau wird das Budget zwar nicht reichen, sagt Neuberger lachend. Für einige der nachfolgenden Themen aber schon, und viele sind auch ohne Geld umsetzbar.
Wieder im Freien nimmt Emily Ronja auf die Schultern. „Das war cool“, sagen die Mädchen. „Ich glaube schon, dass wir etwas verändern können“, ergänzt Ronja und lässt sich zu den Schaukeln tragen.
Auch Neuberger ist zufrieden. Ihm sei wichtig, mit den Kindern im Viertel im Kontakt zu sein und ihre Wünsche zu kennen, sagt er. Schließlich mache man für diese Generation Politik. Deswegen sollten die Kinder auch mitentscheiden dürfen, damit sie auch ohne Wahlrecht das Gefühl haben, am politischen Leben teilnehmen zu dürfen.