Neulich in Salzburg steuerte ich nach Ankunft und Auspacken mit durchhängendem Magen das Café Bazar an – nichts als Marillenknödel im Sinn. Die Terrasse war wie erwartet rammelvoll, Menschen tigerten zwischen den Tischen auf und ab, warfen Adlerblicke auf die Teller der Sitzenden – schon leer oder noch voll? – und nervten Kellnerinnen und Kellner. Trotzdem war nicht alles wie gewohnt. Zwischen die Genießer war ein Minipodium gequetscht worden, auf dem sich Musiker und Instrumente drängten.
Die zierliche Pianistin tüpfelte gerade auf die ebenso zierlichen Tasten des Cembalo, um es zu stimmen. Mit dem Ohr lag sie fast auf dem Instrument, denn um sie herum summten die Geräusche der Kaffeehaus-Hocker, tschilpten Spatzen, rauschten Fluss und Autos. Die Vorbereitung auf die beiden „Kaffeekantate“-Auftritte wurde von dem Musikergrüppchen auf alle Fälle mit heiligem Ernst betrieben, egal ob an Flöte, Geige, Sängerin oder eben an dem Flügelchen. Da hatten sich keine abgebrühten Musikanten zusammengefunden, die wie etwa am Markusplatz Venedigs stoisch gegen Desinteresse oder überschäumende Begeisterung von geldigen Amateurdirigenten anspielen – und gegen die anderen Kollegen auf der Piazza.
Aber in Salzburg zur Festspielzeit weiß der Künstler eben, was er (in dem Fall) Bach, sich und der Stadt schuldig ist. Nach einer knappen Stunde Rumgefummle an Flöte und Co. mutmaßte meine Begleitung allerdings, dass es hier gar nicht um Musik gehe, sondern um eine Performance. Geboren aus skurrilem Humor. Und wir erinnerten uns unter viel Gekicher an das dreisätzige Konzert „4‘33“ von John Cage – vier Minuten, 33 Sekunden –, das zwar mit Partitur (!) auf Klavier gespielt wird, indes komplett ohne Ton. Eine herrliche Sache, vor allem wenn man Zuhörer beobachten kann, die nicht wissen, was auf sie zukommt.
Ob das junge Team dem Kaffee klanglich noch irgendwann gehuldigt hat, kann ich nicht sagen. Schließlich musste ich noch ins Pressebüro. Und auf dem Weg dorthin kam ich doch noch zu meinem Empfangsständchen. Ein Laienchor hatte sich vor den Festspielhäusern spontan formiert und schmetterte aus Herzenslust seine Lieder. Einmal in Salzburg auftreten – was will man mehr?
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