Gute Freunde kann niemand trennen: Warum das im Einzelfall so ist, dafür gibt es so viele verschiedene Gründe wie Arten von Freundschaften. Manche sind bekannt, andere überdauern Jahrzehnte, wieder andere bleiben kaum vorstellbar. Alle Verbindungen haben eines gemein: Es geht um Vertrauen, Sympathie und Gemeinsamkeiten. Selbst wenn es sich dabei nur um eine eigene starke Meinung handelt.
Beckstein & Roth: Die ungleichen Politiker
Bayerischer Löwe oder kiffender Hippie: Wenn Günther Beckstein Fasching in Franken feiert, dann immer in genialer Verkleidung. Den Vogel hat der ehemalige bayerische CSU-Ministerpräsident aber im Jahr 2014 abgeschossen – als er mit Blumenmuster-Rock, grellbuntem Schal und blonder Perücke beim Prunkball auftauchte. Beckstein ging als Grünen-Politikerin Claudia Roth: Allein das ist schon lustig. Der Aufzug bekommt aber noch eine andere Ebene, schließlich verbindet die beiden ungleichen Politiker seit fast 15 Jahren eine Freundschaft.
„Und sie besteht immer noch“, sagt Beckstein. Auch wenn er mittlerweile in Rente ist, während Roth als Vize-Präsidentin des Deutschen Bundestags noch mitten im Geschehen steht. „Wir sehen uns nicht mehr so oft“, erklärt Beckstein. Die Themen gehen den beiden Vollblut-Politikern dennoch nicht aus.
Er, der einst knallharte und konservative Innenminister. Sie, die emotionale wie rigorose Grünen-Rebellin alter Zeiten. Auch wenn ihre Meinungen weit auseinandergehen, erklärt der 75-Jährige, „ist es wichtig, dass man sich sie sagen kann“. Und zwar mit Respekt. Das verbinde die beiden. Und die Treue zu Auffassungen, betont Roth immer wieder, wenn es um ihre Freundschaft geht. Eine Verbindung, die in beiden politischen Lagern für deutliche Irritationen sorgte.
Beckstein nimmt’s gelassen. Und betont, dass er sich beim Fasching als Claudia Roth verkleidet hat, weil die 64-Jährige seiner Einladung zu den legendären Bällen in Veitshöchheim noch nicht nachgekommen war. Deshalb sei er stellvertretend für sie gegangen. „Und ich sah doch sehr hübsch aus.“ Das habe ihm auch, sagt Beckstein mit einem Augenzwinkern, Roth selbst bescheinigt.
Nemec & Wachtveitl: Kumpel-Kommissare
Wenn es in München eine Männer-Freundschaft in Reinform gibt, dann wohl die von Ivo Batic und Franz Leitmayr. Seit 28 Jahren jagen die beiden Kommissare erfolgreich Mörder und gehen dabei auch privat durch dick und dünn – auf der Mattscheibe. Im München-Tatort. Und privat? „Wenn wir uns nicht verstehen würden, wäre das nicht machbar“, sagt Batic alias Miroslav Nemec zum Zusammenspiel mit Udo Wachtveitl vor der Kamera. Und fügt an: Umso besser, dass es funktioniert.
Die Freundschaft ist natürlich nicht von Anfang an da gewesen. „So etwas wächst“, sagt der 65-jährige Nemec diplomatisch. „Am Anfang haben wir uns erst einmal beschnuppert.“
Legendär ist schon die Geschichte über ihr gemeinsames Tatort-Casting vor fast drei Jahrzehnten in einem Schwabinger Biergarten – bei dem die Schauspieler dachten, in Konkurrenz zueinander zu stehen. Entsprechend frostig war der Anfang. Als klar war, dass die Produktion zwei Kommissare sucht, hat sich die Situation entspannt. Seitdem haben die beiden 80 Fälle vor der Kamera gelöst und zueinander gefunden. „Im Laufe der Zeit“, sagt Nemec. Gemeinsame Unternehmungen, Kochen, Kino bis hin zu Urlauben in Kroatien – das gibt es alles. Zugleich hängen sie sich nicht auf der Pelle. Die Dreharbeiten für die drei Tatort-Fälle pro Jahr nehmen nicht ihre ganze Zeit in Beschlag. „Das ist alles begrenzt“, erklärt Nemec. Für ihn macht Freundschaft vor allem eines aus: „Das Vertrauen, das man hat.“ Und das nicht hinterfragt werden muss.
Felix & Basti: Legenden im Sport
Felix Neureuther (35) und Bastian Schweinsteiger (34) kennen sich seit ihrer Kindheit, denn bevor sich der Weltmeister von 2014 für den Fußball entschied, raste er wie Neureuther die Skihänge hinunter. Erst mit 13 Jahren stellte er die Latten zur Seite. Zu diesem Zeitpunkt verloren sich die beiden etwas aus den Augen. Der Freundschaft tat das keinen Abbruch, seit ein paar Jahren ist der Kontakt wieder enger – trotz der knapp elf Flugstunden, die sie in Garmisch und Chicago aktuell trennen. „Das letzte Mal telefoniert haben wir vor rund vier Wochen, außerdem schreiben wir uns regelmäßig“, sagte Neureuther. Das letzte Mal getroffen haben sie sich bei Schweinsteigers Abschiedsspiel im August 2018 in München, zwei Jahre zuvor war Felix auf Bastians Hochzeit in Venedig. „Wie oft man sich sieht oder wie häufig der Kontakt ist, darauf kommt es bei einer guten Freundschaft nicht an“, sagt Neureuther. „Aber wenn ich ein Problem hätte, weiß ich, dass Basti morgen in Garmisch wäre, genauso würde ich sofort nach Chicago fliegen, wenn er mich braucht.“ Im Juni 2013 teilten sie sich noch ein Zimmer im Krankenhaus, weil beide Sportler operiert werden mussten. Heute hat Neureuther (mittlerweile Papa von Tochter Matilda) mit dem Skifahren aufgehört und Schweinsteiger (Sohn Luka, das zweite Kind kommt) lässt seine Karriere ausklingen. Eine große Rolle spielte ihr Beruf in ihrer Beziehung nie. Neureuther: „Für meine Freunde war ich nie der ‚Skifahrer’, sondern einfach der Felix.“