Wer zu welchem Zeitpunkt in den Freibädern oben ohne schwimmen darf, werden weiterhin die Bademeister der Stadtwerke München (SWM) entscheiden. Der Feriensenat hat es gestern mehrheitlich abgelehnt, eine anderslautende Regelung zu erlassen. Die Grünen hatten beantragt, dass auch in den SWM-Bädern – analog zur neu gefassten Badekleidungsverordnung an der Isar – eine Badehose völlig ausreiche.
Die Sitzung des Stadtrates hatte aus Sicht der SWM holprig begonnen, eigens für den einzigen Punkt der Tagesordnung war Bäder-Chefin Christine Kugler eingeladen worden, doch die hatte sich nicht rechtzeitig frei machen können. Also sprang der Leiter der Sommerbäder, Max Gutmann, kurzfristig ein. So kurzfristig, dass der Bademeister in kurzen Hosen den Sitzungssaal betrat und sich auch gleich entschuldigte: Hätte er den Termin früher mitgeteilt bekommen, hätte er auch lange Hosen an. Die Unten-ohne-Debatte war damit abgehandelt, die Oben-ohne-Debatte nicht.
Die Stadträte hatten sich schon vor Eintreffen des Experten fleißig um die Deutungshoheit über das Münchner Laissez-Faire gestritten: leben und leben lassen. Das hatten auch die Stadtwerke zuletzt ins Feld geführt, denn befeuert hatte die Debatte ein Vorfall, bei dem eine Frau barbusig geschwommen war, der Bademeister sie allerdings aufforderte, sich zu bekleiden. Kurz zuvor hatte der Stadtrat aber entschieden, dass an der Isar schwimmen und sonnen auch ohne Bikinioberteil erlaubt ist. In den Bädern ist das Sonnen erlaubt, das Schwimmen eher nicht – zumindest liegt es im Ermessensspielraum der Bademeister. Dabei sollte man es auch belassen, sagte etwas CSU-Stadträtin Alexandra Gaßmann: „Eine Regelung ist nicht nötig. Man sollte dem Personal vor Ort vertrauen.“ Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD) sagte, dass man aber auch auf Befindlichkeiten anderer Badbesucher Rücksicht nehmen müsse. Leben und leben lassen eben. „Als meine Kinder noch kleiner waren, bin ich gar nicht mehr an die Isar gegangen, weil überall Unbekleidete auch außerhalb des FKK-Bereichs herumgelaufen sind.“ Man solle auch bedenken, wie so etwas dann auf Kinder wirke. ÖDP-Stadtrat Tobias Ruff konnte das Argument nicht nachvollziehen, ein Busen sei schließlich das Erste, was ein Kind zu Gesicht bekomme. SPD-Stadtrat Christian Vorländer fand, die Diskussion sei zuletzt wirklich heftig geworden. Das bisherige System laufe seit Jahren und es funktioniere schließlich. Und wenn sich Beschwerden häuften, so CSU-Stadträtin Manuela Olhausen, könne man immer noch nachsteuern. Grünen-Chef Florian Roth sah das erwartungsgemäß anders: „Oben ohne zu baden ist längst Normalität. Hier Rücksicht auf Kinder vorzuschieben, wird der Realität nicht gerecht.“
Bademeister Gutmann brachte ein wenig Abkühlung: In seinen 33 Dienstjahren habe es noch nie Beschwerden übers Oben-ohne-Schwimmen gegeben. Es müsse aber den Bademeistern obliegen, ob man es untersagt, gerade dann, wenn viel Betrieb herrsche. Aber auch, wenn sich jemand gestört fühlt. Leben und leben lassen eben. SASCHA KAROWSKI