Die Welt trifft sich im Museum

von Redaktion

SIMONE DATTENBERGER

Neulich in der Alten Pinakothek wurde mir zum ersten Mal bewusst, wie polyglott es da zugeht. Klar, die Maler kommen aus allen möglichen europäischen Ländern bis hin zu Griechenland mit seinem Megastar El Greco. Aber erst die heutigen Besucher machen die Erdkugel erfahrbar. Zum einen, weil die erste Pinakothek für alle Touristen das berühmte Münchner Muss ist, und zum anderen, weil tatsächlich Menschen aus aller Welt nach München reisen können. Also hörst du in diesem Museum australisches Englisch, afrikanisches Französisch, brasilianisches Portugiesisch, Indisch, Mandarin – auch wenn ich das nicht von einer anderen Chinesisch-Variante unterscheiden könnte –, Tschechisch und, und, und. So wie viele Auswärtige andächtig den Worten aus dem Audioguide lauschen, lausche ich ihrem „Sound“ und versuche zu erraten, ob das nun Koreanisch oder Japanisch ist.

Die Völkerverständigung funktioniert – vor allem auf der Skala von Andacht/Begeisterung bis Langeweile/Gereiztheit. Da ist es ziemlich wurscht, ob ein grantiger Münchner von seinem seligen Ehegespons zu Dürer und Co. geschleppt wurde – „dortn gibt’s a an superguadn Kuacha“ – oder ein pakistanischer Teenager von seinen bildungsbeflissenen Eltern. So oder so: Ödnis überzieht die Mimik, in der bisweilen verzweifelter Widerstandsgeist aufzuckt oder gottergebene Willenlosigkeit vor sich hin dämmert. Genau das Gleiche kann man in anderen höchst frequentierten Museen erleben. Im Deutschen Museum oder BMW-Museum erfährst du endlich, wie religiöse Verzückung aussieht – etwa wenn eine behandschuhte Dame aus dem Haus eine Motorhaube lüftet. Daneben schleppen sich beispielsweise angeekelte Araberinnen durch all das blinkende Blech.

„D Katz frisst Meis, i mog s need“, heißt der passende Spruch dazu, mit dem der bairische Mensch achselzuckend die Masse an möglichen Vorlieben beziehungsweise Abneigungen akzeptiert. Das ist eine weise Form der Toleranz, die jeder tapfer pflegen sollte, der mit anderen etwas unternimmt oder verreist. Wenn du nicht gerade in eine überhängende Wand einsteigen oder dir den Louvre in zwei Stunden reinziehen musst, dann wappne dich mit Langmut und Großzügigkeit. So technisches Zeugs kann ja auch nett sein, und Rubens bietet schließlich Nackerte ohne Ende.

Sie erreichen die Autorin unter Simone.Dattenberger@ovb.net

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