Wüst und leer

von Redaktion

In der Schöpfungsgeschichte heißt es: „Und die Erde war wüst und leer.“ Eine Beschreibung, die derzeit auch auf die Sendlinger Straße zutrifft. Die wird zur Fußgängerzone umgestaltet – schattenspendende Bäume suchen die Münchner hier vergebens. Ein Besuch in der Betonwüste.

VON SASCHA KAROWSKI

Eine Farbe dominiert derzeit in der Sendlinger Straße: grau. Die Straße wird zur Fußgängerzone umgestaltet, bis Herbst laufen die Bauarbeiten, und die grauen Betonplatten liegen bereits. Ein paar Bäume sollen noch aufgestellt werden. Aber: Viel grüner wird’s nicht.

Im Rathaus rumort es deshalb gewaltig. Die neue Fußgängerzone von der Hackenstraße bis zum Sendlinger Tor kostet rund 3,5 Millionen Euro. Mit den grauen Betonplatten soll sie an die bestehende Fußgängerzone angepasst werden. Stolze fünf Bäume sollen noch in der Straße aufgestellt werden. Sie erhalten Rundbänke, auch ein paar Blumenkübel sollen noch aufgestellt werden.

Einen Brunnen, wie vom Bezirksausschuss gewünscht, hatte die Stadt abgelehnt. Und die spektakuläre Idee des Münchner Architekten Jürgen Piechotka, die Straße mit einem Bachlauf zu versehen, wurde abgeschmettert. Grünen-Chef Florian Roth sagte zu unserer Zeitung: „Wir sind schon der Meinung, dass da mehr begrünt werden müsste.“

Die Stadt hatte allerdings Bedenken wegen des Denkmalschutzes. Die Sichtachsen, etwa zur Asamkirche, sollten frei bleiben. „Es geht aber nicht darum, Denkmäler kaputt zu machen“, sagt Roth. „Klimaschutz und der Schutz der Menschen sollten wichtiger sein als Sichtachsen. Gerade in Sommern wie diesen sind wir um jeden Baum dankbar.“

Auch bei der CSU ist man wenig erfreut. Stadtrat Johann Sauerer sagt zu unserer Zeitung: „Viele fordern, dass möglichst viel Grün in der Stadt erhalten oder bei Bauprojekten mit eingeplant werden soll. Zu oft zeigt sich aber leider, dass Worten nicht immer Taten folgen.“ Die Betonwüste in der Sendlinger Straße sei ein gutes Beispiel. „Ich finde, sie hätte noch deutlich mehr Potenzial. Bäume, Blumen und Pflanzen sind elementar wichtig für ein angenehmes Stadtklima, die Luftqualität und damit für ein positives Lebensgefühl. Wir sollten wirklich schauen, wie wir hier noch nachbessern können.“

SPD-Stadtrat Jens Röver sieht das ähnlich: „Unser Ziel ist ganz klar, dort mehr Aufenthaltsqualität zu schaffen. Dazu gehören natürlich Sitzmöglichkeiten und auch schattenspendende Bäume und Pflanztröge. Wenn die bestehenden Planungen nicht ausreichend sind, muss nachgebessert werden, denn ich möchte dass die Umgestaltung der Sendlinger Straße ein Erfolg wird.“

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