Die Roboter kommen!

von Redaktion

SIMONE DATTENBERGER

Neulich im Theater durfte ich den neuesten Gag der Bühnenbildnerzunft bewundern: Roboter. Zwei mächtige Arme flankierten die Spielfläche, aber nicht als bedrohliche Wächter, sondern als freundliche, nicht sonderlich effiziente Helfer. Ihre Bewegungen waren wunderbar elegant; wahrscheinlich war ihr Tempo aus Sicherheitsgründen gehörig gedrosselt worden. Wer will schon, dass Tonnen von Stahl um einen herumfuchteln. So hatte das schon seine eigene Ästhetik. War aber doch abgekupfert, also gar nicht neu.

Ja, ja, werden Sie sagen, es gab ja schon im Altertum Theatermaschinen, derer sich gern der viel zitierte Deus ex Machina bediente. Diese alten Ungetüme meine ich aber gar nicht. Die heutigen gelenkigen Robos haben nämlich die bildenden Künstler längst inspiriert. Auf der Biennale von Venedig (bis 24. November) fuhrwerkte so ein Monster mal blindwütig, mal verzweifelt, mal verzagt in einer Blutsuppe herum. Die Technoid-Performance, ausgedacht von Sun Yuan und Peng Yu und wohlverwahrt hinter einer Sicherheitswand, war natürlich viel dramatischer als das, was sich Bühnenbildner trauen können oder dürfen.

Seltsamerweise hinken die Theatermacher immer hinterher. Immer noch behaupten sie treuherzig, dass sie mit ihren Performances an der Spitze der Avantgarde stünden. Darüber hätten die Dadaisten schon vor 100 Jahren herzlich gelacht. Genauso werden die Videokünstler, die in den 1960er-Jahren Neuland betraten, nicht aus dem Kopfschütteln herauskommen: Die Kollegen vom Spiel-Betrieb haben dieses Medium spät entdeckt, dafür halten sie ihm die Treue wie ein Kaugummi der Schuhsohle. Manchmal fragt man sich als Zuschauer, was die Regisseure gegen Schauspieler aus Fleisch und Blut haben. Sind die so nervig, weil sie nicht sofort gehorchen wie Maschinen oder Filmbilder?

Gefährlich wird’s, wenn die bildenden Künstler Tantiemen für ihre Ideen verlangen. Dann muss das Theater bluten. Oder es besinnt sich und geht mit dem Kasperle auf Tournee, mit Marionetten-Rittern oder mit Scherenschnitt-Zauberern, mit Faust als Handpuppe und Arturo Ui zum Beispiel als Klobürste. Sie alle werden dem Regisseur nicht widersprechen und sind richtig, richtig billig. Und die Bühne? Ein paar Brettln, die nur durch die Kunst, nicht durch Maschinen die Welt bedeuten.

Sie erreichen die Autorin unter Simone.Dattenberger@ovb.net

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