Genauso spannend wie der Dreikampf um den OB-Sessel wird die Neuverteilung der Mandate im Stadtrat sein. Die große Frage: Wird es für die Rathaus-Regierung aus CSU und SPD zu einer Mehrheit reichen? Die war 2014 komfortabel, als die CSU 32,5 und die SPD 30,8 Prozent holte. Allerdings stellte die Kooperation Schwarz-Rot nie mehr als eine Zweckehe dar, weil Rot-Grün die absolute Mehrheit verfehlte. Die Grünen landeten 2014 bei 16,6 Prozent. Seither hat sich die politische Stimmung erheblich verändert. Bei der Landtagswahl 2018 und der Europawahl im Mai wurden die Grünen mit 31 Prozent jeweils stärkste Kraft in München – klar vor der CSU. Gelänge dies nur annähernd bei der Kommunalwahl und könnte die SPD zugleich ihren Sinkflug nicht bremsen, ergäben sich ganz neue Gedankenspiele. Schwarz-Grün zum Beispiel? Oder eine Dreierkoalition, weil es für zwei Parteien nicht mehr reicht?
Ein Zünglein an der Waage könnten die kleinen Parteien spielen. Eine Zersplitterung des Stadtrats ist denkbar. Die AfD etwa kam 2014 nur auf 2,5 Prozent. Auch wenn die Partei bisher kaum in der Öffentlichkeit in Erscheinung tritt, dürfte sie wohl zulegen. Und wie schlägt sich die FDP? 2014 schnitten die Liberalen mit 3,4 Prozent desaströs ab. Außerdem ist es möglich, dass weitere Gruppen antreten. Die Kritiker der Baugebiete im Münchner Norden und Nordosten liebäugeln mit einer eigenen Liste. Offiziell erklärt haben sich die Bürgerinitiativen aber noch nicht. kv