Peter Henningsen ist Direktor der Klinik für Psychotherapie am Klinikum rechts der Isar.
Herr Professor Henningsen, sind wir heute gestresster als früher?
Das ist schwierig zu beantworten. Was sich auf jeden Fall verändert hat, ist die Art der Belastungsfaktoren. Wir haben heute eine höhere Belastung durch die ständige Erreichbarkeit.
Wie viele Menschen leiden heute an psychischen Krankheiten infolge von Stress?
Nach Schätzungen diagnostizieren Hausärzte in Deutschland bei rund einem Drittel der Patienten Stressfolgestörungen wie Depression oder Burn-out.
Was passiert bei Stress im Körper?
Zunächst ist zu sagen: Akuter Stress macht nicht krank. Anders chronischer Stress: Die Stresshormone Cortisol und Adrenalin werden dauerhaft aktiviert, was sich negativ auf den ganzen Körper auswirkt – er arbeitet auf Hochtouren. Ausreichende Erholung bleibt aus.
Was sind mögliche Folgen?
Die Anfälligkeit für Krankheiten steigt, weil die Immunabwehr beeinträchtigt wird. Zudem kann es zu Kopfschmerzen oder muskulären Beschwerden kommen. Ein erstes Warnsignal für eine ernst zu nehmende Stressfolgeerkrankung können Schlafstörungen oder vermehrte Reizbarkeit sein.