Von den hohen Fenstern der Klassenzimmer aus sehen die Schüler noch Bagger vorbeirollen, die Lehrer kehren den letzten Staub vom Boden, im Sekretariat flackert nervös ein Deckenlicht. Kleinigkeiten, die im Gymnasium auf dem Bildungscampus Freiham noch behoben werden müssen. Aber das Wichtigste ist da: Einen Tag vor Unterrichtsbeginn sind die Tafeln und Stühle geliefert worden. Spät, aber gerade noch rechtzeitig. Von einer „Punktlandung“ spricht denn auch Thomas Schranner (48), Leiter des Gymnasiums, bei seiner Ansprache in der Aula.
Nach einer sportlichen Bauzeit von gut zwei Jahren ist Münchens aktuell größter Schulbau im Westen der Stadt fertig: Auf dem 38 000 Quadratmeter großen Areal sind vier Schulen für bis zu 3000 Kinder und Jugendliche entstanden: eine Grundschule, ein Sonderpädagogisches Förder- und Kompetenzzentrum, eine Realschule und ein Gymnasium. In Letzterem starten nun 172 Kinder der fünften Klasse und 40 Sechstklässler ihre Schullaufbahn. In den Campus investierte die Landeshauptstadt rund 245 Millionen Euro. Träger ist der Freistaat Bayern.
Neu ist der Bau – und auch das Konzept: So gibt es beispielsweise ein Herzstück auf dem Schulgelände, es nennt sich Campus Mitte: Ein Ort, an dem sich die Schüler aller vier Schulen treffen: Mensa, Bibliothek, Küche.
Schulleiter Schranner sagt in seiner Rede: „Über ein Jahr haben wir auf diesen Tag hingefiebert: ein neues Schuljahr in einer neuen Schule.“ Es sei etwas „sehr Besonderes, Einmaliges“, wenn man bei dieser Geburtsstunde dabei sein dürfe. „Wir Lehrer freuen uns riesig für die Schüler.“
Die Mädchen und Buben sind der gleichen Meinung wie ihr Direktor: „Ich finde, das hier ist eine richtig coole Schule“, schwärmt Tom (10) aus der fünften Klasse. Und Filip Mikulic aus der sechsten Klasse begeistern die große Turnhalle sowie der Sportplatz auf dem Dach. Der Zwölfjährige hofft, dass dort „viel Fußball gespielt wird“. Während Anna Kinderski (10) froh ist, auf einem „so schönen und großen Campus zur Schule gehen zu dürfen“.
Insgesamt sind es zunächst 1200 Schülerinnen und Schüler, die auf dem Bildungscampus lernen, spielen und Sport machen. Alle vier Schulen wurden nach dem Münchner Lernhauskonzept gebaut. Das bedeutet: eine kleine Schule in der großen Schule. Die Schulen sollen so in überschaubare Einheiten gegliedert werden, in denen mehrere Jahrgangsstufen zusammengefasst werden. Thomas Schranner, der zuvor Schulleiter in Olching war, ist ein überzeugter Pädagoge mit Visionen und Erfahrung. Wichtig sei es ihm, dass die Kinder „angstfrei in die Schule gehen können“. Deshalb wird es am Gymnasium Freiham nur angesagte Leistungsnachweise geben.
Und deshalb soll der Unterricht morgens auch nicht Gongschlag acht Uhr mit einer Abfrage beginnen, sondern mit einer „pädagogischen Viertelstunde“, in der die Schüler noch ihre Vokabeln lernen, ein Pausenbrot frühstücken, Yoga machen oder sich mit dem Lehrer über ihre Sorgen unterhalten können.