Grün greift an

von Redaktion

Die Grünen haben am Wochenende ihre Stadtratsliste für die Kommunalwahl aufgestellt und die OB-Kandidatin Katrin Habenschaden mit einem sehr deutlichen Ergebnis offiziell gekürt. Für eine amtierende Stadträtin war der Parteitag jedoch weniger erfreulich.

VON SASCHA KAROWSKI

Wahnsinnig aufgeregt sei sie gewesen, verrät Katrin Habenschaden. Damals, vor sechs Jahren im Löwenbräukeller, als sie sich erstmals für die Stadtratsliste aufstellen ließ, auf Platz neun, da pochte das Herz, der Puls ging in die Höhe. Beim Parteitag im März, als Habenschaden zur OB-Kandidatin gekürt wurde, ruhten die Hände selten, der Körper wippte bei ihrer Rede von einem Fuß auf den anderen. Am Samstag steht Habenschaden (42), vor über 300 Menschen bei der Aufstellungsversammlung der Grünen für die Liste zur Kommunalwahl, lächelt, greift an, stichelt gegen Rot-Schwarz – als hätte sie nie etwas anderes gemacht.

Habenschaden ist reingewachsen in die Rolle als Vorkämpferin. Und das kommt an. Mit 99 Prozent der gültigen Stimmen ist die 42-Jährige nun auch offiziell zur OB-Kandidatin gekürt. „Sagenhaft“ sei das, sagt sie.

Die Grünen eröffnen den Kampf ums Rathaus, und sie haben gute Chancen. Als Vordenker in Sachen Klima- und Umweltschutz wirken sie in der aktuellen Gemengelage authentisch wie ihre Spitzenkandidatin, glaubwürdig beispielsweise in den Zielen der Verkehrswende. „Wir Grüne haben einen Plan für Münchens Zukunft, wir wollen moderne, grüne Politik für die Menschen in dieser Stadt gestalten“, sagte Habenschaden. Und Abteilung Attacke kann die Aubingerin auch immer besser: „CSU und SPD sitzen vor den Zukunftsfragen wie das Kaninchen vor der Schlange. Erstarrt, ratlos, überfordert, mit Konzepten aus dem letzten Jahrhundert. So darf es nicht weitergehen.“ Zur Politik und zum Leben gehöre der Wechsel. „München ist so weit, wir sind so weit und ich bin so weit“, sagt die Mutter von zwei Kindern. Es könnte reichen, um OB Dieter Reiter (SPD) zumindest in die Stichwahl zu zwingen. Dass die Grünen stärkste Fraktion werden, ist sogar noch wahrscheinlicher.

Grünen-Chefin Gudrun Lux, die selbst auf Rang 29 landete, ist zufrieden mit der Liste. „Das ist eine schlagkräftige Truppe, welche die Vielfalt unserer Partei ideal abbildet. Mit dieser Mischung aus Jung und Alt, Erfahrung und frischem Wind, Frauen und Männern wollen wir die Münchner bei der Kommunalwahl überzeugen.“

Für andere lief der Parteitag derweil weniger erfolgreich. Die amtierende Stadträtin Sabine Krieger war für Platz drei angetreten und findet sich nun gar nicht mehr auf der Liste. „Sie hat sich verspekuliert“, sagen Parteifreunde. „Ich bin schon enttäuscht“, sagt die 61-Jährige auf Anfrage unserer Zeitung. „Ich hatte gehofft, dass Erfahrung ein bisschen was zählt. Ich finde es schade, dass zu wenig Klima- und Umweltschutzpolitik auf die ersten Plätze gesetzt wurde.“ Jedoch hatte Krieger zwischenzeitlich auch bekundet, gar nicht mehr kandidieren zu wollen, sich dann aber umentschieden. Nachdem sie auch auf Rang fünf nicht gewählt wurde, zog sie ihre Kandidatur zurück.

Derlei Aufstellungen verlaufen bei den Grünen durchweg basisdemokratisch. Das bedeutet: Jeder Platz wird einzeln gewählt, ein jedes Mitglied darf sich bewerben, wo immer es möchte. Und es gab über 100 Bewerber für die 80-köpfige Liste. So musste sich auch Habenschaden dem Votum für Platz eins der Liste stellen, den sie ebenfalls erfolgreich erreichte. Auf Platz zwei folgt Grünen-Fraktionschef Florian Roth, auf Rang drei Stadträtin Anna Hanusch. Auf Platz vier kandidiert Stadtchef und Fraktionsvize Dominik Krause, den fünften Rang erreichte „Coffee To Go Again“-Gründerin Julia Post. Verkehrsexperte Paul Bickelbacher geht auf Platz sechs ins Rennen, Rang sieben erreichte Judith Greif. Stadtrat Sebastian Weisenburger, die Spitzenkandidatin der Grünen Jugend Clara Nitsche und Christian Smolka komplettieren die ersten zehn. Grünen-Vorsitzender Krause sagte: „Unsere Liste steht für ein modernes, weltoffenes und junges München und ist damit ein Gegenentwurf zum Personaltableau der GroKo im Münchner Stadtrat. Wir wollen bei der Kommunalwahl stärkste Fraktion im Stadtrat werden und Regierungsverantwortung übernehmen.“ Ganz unaufgeregt.

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