Der Brief ist direkt an den Oberbürgermeister adressiert. Eine Gruppe von Vereinen und Bürgern aus dem Stadtbezirk Feldmoching-Hasenbergl äußert in dem Schreiben „erheblichen Klärungsbedarf“ an den Planungen der Stadt zur Bebauung der Siedlung Eggarten. Diese liegt in der südwestlichen Lerchenau und war früher eine Eisenbahnerkolonie. Nun soll das grüne Idyll mit rund 21 Hektar Fläche von der CA Immo und der Büschl Gruppe mit bis zu 2000 Wohneinheiten bestückt werden. Der Stadtrat hat im Juli die Aufstellung eines Bebauungsplans beschlossen.
Absender des Briefes ist die Aktionsgemeinschaft (AG) Pro-Eggarten. Sie vereint Mitglieder des Bürgervereins Lerchenau, von Fasanerie aktiv, dem Bündnis Gartenstadt und anderen Organisationen. Die AG kritisiert vor allem zwei Punkte: den „maximalen Gewinn“, den die Eggarten Projektentwicklung GmbH & Co. KG, ein Gemeinschaftsunternehmen der Eigentümer, mit dem Unterfangen erziele, sowie die Tatsache, dass eine Flächennutzungsänderung nötig ist, um den Eggarten zu bebauen. Diese sei juristisch problematisch.
Aktuell nämlich liegt die Siedlung im Außenbereich, ist im Flächennutzungsplan als Gewerbe- und Bahngebiet ausgewiesen und daher günstiger als Grund im Wohngebiet. Um bauen zu können, muss das Areal umgewidmet werden. „Bauen im Außenbereich ist nur dann zulässig“, schreibt die AG Pro-Eggarten, „wenn öffentliche Belange hierdurch nicht beeinträchtigt werden.“ Diese Voraussetzungen aber lägen für das Gebiet nicht vor, heißt es weiter. Eine detaillierte Begründung will die AG allerdings erst „zu gegebener Zeit“ liefern.
Weiter kritisiert die Arbeitsgemeinschaft Pro-Eggarten: „Die Grünflächen im Bereich des Eggartens (Außenbereich) zu Bauland zu machen, beschert (… den …) Partnern einen maximalen Gewinn.“ Durch die starke Nachverdichtung auf der bislang nur spärlich besiedelten Fläche werde der Grundstückswert exorbitant in die Höhe getrieben. „Genossenschaftlicher Wohnungsbau wird daher nicht mehr infrage kommen.“
Genau das aber plant die Stadt München. Im Strukturkonzept ist sogar die Rede von einem „hohen genossenschaftlichen Wohnungsanteil“. Auf dem jüngsten Bürgerdialog zum Eggarten war die Rede von etwa 700 bis 800 Wohnungen. Erst 2018 hatte es im Stadtteil Freiham Probleme gegeben, Grundstücke an Genossenschaften zu verkaufen. Die Preise waren zunächst für die Kooperative zu hoch gewesen.
Darüber hinaus bemängelt die AG unter anderem die drohende Bodenversiegelung sowie eine Fehlplanung beim Lärmschutz. Zu den Vorwürfen fordert sie eine Stellungnahme der Stadt bis 7. Oktober. Der Eggarten soll ab etwa 2022 bebaut werden. Aktuell wohnen noch drei Menschen in der Siedlung. Darüber hinaus betreuen rund 35 Kleingärtner einige der Grundstücke. Etwa ein Dutzend der leer stehenden Häuser, die es auf dem Gelände noch gibt, wurden gerade erst auf Geheiß der Grundstückseigner entrümpelt. Im Herbst soll der städtebauliche und landschaftsplanerische Wettbewerb zum Eggarten beginnen. Am 26. September ab 17 Uhr gibt es dazu einen Bürgerdialog im Studio Balan an der Moosacher Straße 86. KATHRIN HILDEBRAND