Die ersten Wiesn-Gäste warteten bereits um 4.30 Uhr am Haupteingang auf Einlass. Als die Ordner dann mit kleiner Verspätung – die letzten Lieferfahrzeuge mussten noch vom Festgelände – kurz nach 9 Uhr die Eingänge freigaben, stürmten Tausende Menschen im Laufschritt auf die Theresienwiese.
Mit Brauereigespannen und festlich geschmückten Wagen zogen ab 11 Uhr die Oktoberfest-Wirte ein. Tausende Menschen warteten an den Straßen, um den Festzug zu sehen. „Ich fahre jetzt seit 33 Jahren mit, aber so viele standen noch nie auf der Straße“, sagte Festwirt Christian Schottenhamel dieser Zeitung. „Die Wiesn zieht die Menschen magisch an.“
Schon lang vor dem Wirte-Einzug mussten die ersten Festzelte wegen Überfüllung geschlossen werden. Insgesamt kamen nach Angaben der Oktoberfestleitung am ersten Wochenende schätzungsweise eine Million Besucher aufs Festgelände – so viele wie zuletzt 2015 und 200 000 mehr als im Vorjahr. „Ich freue mich über einen gelungenen Wiesnauftakt“, sagte Wiesn-Chef Clemens Baumgärtner.
OB Dieter Reiter sorgte um 12 Uhr im Schottenhamel-Zelt ebenfalls für einen Auftakt nach Maß: Mit nur zwei Schlägen zapfte er das erste 200-Liter-Holzfass an – wenn auch, wie einige Beobachter erklärten, etwa zwei Sekunden zu früh. Traditionell überreichte Reiter die erste Mass dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU). „Ich habe wie jedes Jahr die Schläge etwas geübt“, erklärte Reiter später. „Dass es zwei geworden sind, damit bin ich zufrieden.“ Es sei eine „harmonische Stimmung auf dem gesamten Gelände spürbar“ gewesen, sagte Festwirt Schottenhamel, „bis in die Anzapfbox hinein.“
Das Oktoberfest sei „friedlich und ruhig wie noch nie“ angelaufen, erklärte auch Polizei-Sprecher Michael Riehlein am Samstagnachmittag. Die Kontrollen an den Eingängen seien ohne Probleme verlaufen. Am Samstagabend kam es dann jedoch zur ersten Masskrugschlägerei des diesjährigen Oktoberfests: Gegen 21 Uhr schlug ein 26-jähriger Niederländer – offenbar willkürlich ohne vorausgegangenen Konflikt – einem 49-jährigen Münchner den Masskrug an den Kopf. Der Mann erlitt eine Platzwunde unter dem Auge. Und auch die Bundespolizei erklärte am Sonntag, „alle Hände voll zu tun“ gehabt zu haben – vor allem mit stark Alkoholisierten, die Streit anfingen, und mit einem 25-Jährigen, der im Bereich der Ganghoferbrücke auf den Gleisen unterwegs war.
Die Aicher Ambulanz, die heuer zum zweiten Mal den Sanitätsdienst auf der Wiesn stellt, verzeichnete in einer Bilanz am Samstag 558 Einsätze, fast 90 mehr als am Auftaktsamstag im Vorjahr. Zwei Mal wurden die Sanitäter selbst tätlich angegriffen. Die erste „Alkoholleiche“ gab es bereits zehn Minuten nach dem Anzapfen. „Eine 18-jährige Engländerin hatte im Vorfeld zu viel Gin zu sich genommen und eine Alkoholvergiftung erlitten“, hieß es. Neben alkoholisierten Wiesn-Besuchern mussten die Sanitäter und Ärzte vermehrt Gäste mit Herz-Kreislauf-Problemen versorgen.
„Der Wettergott muss ein Münchner sein“, bilanzierte Wiesn-Chef Baumgärtner das Auftaktwochenende. Mit dem Kaiserwetter ist es laut Wetterprognosen aber ab Montag vorbei. Regen zieht auf, die Temperaturen sinken auf maximal 14 Grad. Und auch der Rest der kommenden Woche wird regnerisch.
Das größte Volksfest der Welt geht bis zum 6. Oktober, sechs Millionen Gäste werden in München erwartet.