SEBASTIAN HÖLZLE
Jetzt ist es amtlich: Die Stadtsparkasse München hat den Weg frei gemacht, um Strafzinsen von Kunden kassieren zu können. Für Betroffene ist das bitter: Je länger ihr Geld auf der Bank liegt, desto stärker schrumpft ihr Vermögen.
Zur Wahrheit gehört aber auch: Es hätte viel schlimmer kommen können. Strafzinsen drohen lediglich Neukunden der Stadtsparkasse – und auch nur dann, wenn sie mehr als 100 000 Euro auf dem Konto haben. Das Institut ist angesichts einer Finanzwelt, die völlig auf dem Kopf steht, vergleichsweise moderat vorgegangen. Kleinsparer werden verschont.
Banken und Sparkassen reagieren mit dem Einführen von Negativzinsen auch auf die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Dort müssen Banken seit Jahren Strafzinsen zahlen. Und Mitte September hat die EZB ihren Kurs noch einmal verschärft, indem sie den für Banken relevanten Strafzins weiter ins Minus gedrückt hat. Ein Verbot von Strafzinsen für Sparer, wie vom bayerischen Ministerpräsidenten gefordert, würde daher das strukturelle Problem niemals lösen und nur verschleiern, dass Europa über Jahre eine Reform der Eurozone verschleppt hat. Viel wichtiger wäre die Schaffung eines Währungsraums, in dem Volkswirtschaften mit unterschiedlichem Tempo existieren können. Dazu müsste Europa wieder mit einer Stimme sprechen.
Sebastian.Hoelzle@ovb.net