Ein 22-jähriger Franzose hat seinen Besuch auf der Wiesn mit dem Leben bezahlt. Der Tourist befand sich am Freitag gegen 21.50 Uhr mit Freunden am Bahnsteig des S-Bahnhofs Laim. Zuvor hatten sie einen feuchtfröhlichen Abend auf dem Oktoberfest verbracht – der Franzose hatte zwei Promille. Als eine S-Bahn auf Gleis 2 einfuhr, lief der junge Mann neben dem hinteren Zugteil her, stolperte und geriet mit seinem Bein zwischen Bahn und Bahnsteig. Ein Fahrgast betätigte die Notbremse und brachte die S-Bahn so zum Stehen, aber da war es schon zu spät: Die fahrende Bahn hatte den Franzosen bereits ins Gleis gezogen. Mit multiplen inneren Verletzungen wurde er ins Krankenhaus gebracht. Trotz einer Notoperation erlag der junge Mann am Samstagmorgen seinen Verletzungen.
Ähnlich tragisch hätte der München-Besuch auch für einen jungen Schweizer enden können – doch er hatte zwei Schutzengel, als er am Samstag gegen 7 Uhr am Haltepunkt Isartor auf das S-Bahngleis stürzte. Eigentlich war er schon auf dem Weg nach oben, aber kurz vor der Rolltreppe schwenkte der 23-Jährige nach rechts und ging zielgerichtet in Richtung Gleise. An der Kante stürzte er bäuchlings ins Gleisbett. Unglaublich, aber wie Videoaufnahmen zeigen, gingen Reisende, die den Unfall gesehen hatten, einfach weg.
Nur eine bislang unbekannte Frau zeigte Zivilcourage und rettete dem jungen Mann somit das Leben. Vom Bahnsteig aus versuchte sie zunächst den Schweizer anzusprechen, doch der reagierte nicht. Nun wurde es eng, denn in der Ferne rauschte bereits die S-Bahn heran. Mit ausgebreiteten Armen rannte die Frau dem herannahenden Zug auf dem Bahnsteig entgegen und bedeutete dem Fahrer anzuhalten. Eine zweite Frau sah dies und gab dem S-Bahn-Fahrer ebenfalls mit der Hand ein Notsignal – gerade noch rechtzeitig. Der Fahrer legte eine Notbremsung hin und blieb etwa 30 Meter vor dem Verunglückten stehen.
Rettungskräfte brachten den Verletzten ins Krankenhaus. Er ist mittlerweile wieder ansprechbar. „Die beiden Frauen haben sich vorbildlich verhalten, indem sie den S-Bahn-Fahrer gewarnt haben, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen“, sagt Polizei-Sprecherin Petra Wiedmann.
Zu einem weiteren Sturz in ein S-Bahngleis kam es am Freitag gegen 15.45 Uhr am Haltepunkt Donnersbergerbrücke. Im Streit wollte eine 18-Jährige vor einem 21-Jährigen flüchten. Als er sie zurückhielt, stieß sie ihn von sich. Er verlor das Gleichgewicht und landete im Gleis. Die S-Bahn kam rechtzeitig zum Stehen.
Um Züge oder S-Bahnen zu warnen, gibt es übrigens ein bestimmtes Zeichen: Man schwingt mit einem Arm in Richtung des herannahenden Zuges im Kreis. Aber Vorsicht: Wer wissentlich ein falsches Notzeichen vortäuscht, macht sich strafbar.
Um die Sicherheit an Bahnsteigen zu erhöhen, sollen 2023 in einem Pilotprojekt Bahnsteigtüren getestet werden – zunächst am U-Bahnhof Olympiazentrum.