Viel und laut und friedlich

von Redaktion

Vor dem Fundbüro im grauen Service-Container hinter dem Schottenhamel-Zelt bildeten sich gestern lange Schlangen. Australier, Oberbayern, alle vermissten sie etwas. Innen zählten die Mitarbeiter 1370 Fundsachen: 240 Pässe, 170 Geldbeutel, 30 Regenschirme und ein originalverpackter Duschschlauch. 2018 waren es zum vergleichbaren Zeitpunkt noch rund 500 Fundsachen weniger gewesen.

Bevor Wiesn-Chef Clemens Baumgärtner (43, CSU) gestern die Halbzeitbilanz des 186. Oktoberfests vorstellte, schallte die Tenor-Stimme der Volkssängerin Bally Prell aus den Lautsprechern des Marionettentheaters auf der Oidn Wiesn. In ihrem wohl berühmtesten Klassiker, der „Schönheitskönigin von Schneizlreuth“, heißt es: „Und die Herren von der Presse zeigten lebhaftes Interesse.“ Und in der Tat: Das Interesse an der Wiesn ist riesig: 896 Foto- und Drehgenehmigungen hat die Festleitung heuer ausgestellt. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr waren es noch 706 gewesen. Journalisten aus Hongkong sind genauso dabei wie jene aus Österreich.

Die und rund 3,3 Millionen Besucher erlebten bisher eine „ungewöhnlich friedliche Wiesn“. So formulierte es Polizei-Pressesprecher Marcus da Gloria Martins. „Das Oktoberfest ist kein Moloch.“

Für diese These spricht die Kriminalstatistik: 465 Straftaten registrierten die Beamten bei 1010 Einsätzen bis zum Dienstende des achten Wiesntags. In den vergangenen Jahren habe es zum gleichen Zeitpunkt 475 (2018) beziehungsweise 550 (2017) gegeben. Der Rückgang liege auch im restriktiveren Umgang mit stark alkoholisierten und aggressiven Besuchern begründet. Das Einsatzkonzept der Polizei sehe vor, schnell einzuschreiten und Personen, die eine Gefahr darstellen, in Gewahrsam zu nehmen. 165 solcher Fälle habe es heuer bisher gegeben (2018: 142). Insgesamt sei der Wiesn-Gänger jedoch „zurückhaltender und kultivierter“ als sonst, findet da Gloria Martins.

Nachdem die E-Scooter auf Münchner Straßen im Sommer ihre ersten Runden drehen durften, sind die elektrischen Kleinstfahrzeuge heuer im Wiesn-Einsatz. Doch rund um das Oktoberfest sind sie verboten. 590 Mal musste die Polizei Fahrern von E-Scootern den Weg aus der verbotenen Zone weisen. Im gesamten Stadtgebiet beendeten Beamte 220 Fahrten, weil die Personen am Lenker zuvor zu tief ins Glas geschaut hatten.

Die Aicher-Ambulanz-Union, die heuer zum zweiten Mal den Sanitätsdienst auf dem Oktoberfest betreibt, ist ebenfalls zufrieden. „Wir haben uns im letzten Jahr gut etabliert“, sagte Sprecherin Ulrike Krivec. „Sogar Mitarbeiter kommen zu uns, um sich hausärztlich behandeln zu lassen.“ 3577 Patienten habe man so bisher behandeln können – eine deutliche Steigerung zum Vorjahr (2018: 2782). „Das häufigste Meldebild bleibt die Intoxikation“, so Krivec: 361 Fälle schlugen bei der Ambulanz auf.

Gesunken ist der Stromverbrauch: 1,2 Millionen Kilowattstunden flossen in das Fest – 4,12 Prozent weniger als 2018. Der Ochsenverbrauch hingegen ist leicht angestiegen: 72 Stück verzehrten die Gäste (2018: 70). SEVERIN HEIDRICH

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