Vermissen Sie das Rathaus, Herr Schmid?

von Redaktion

Der frühere Bürgermeister Josef Schmid über seine neue Rolle als Landtagsabgeordneter

Vor einem Jahr war Josef Schmid (CSU) noch Bürgermeister und Wiesn-Chef – am 15. Oktober 2018 errang er in seinem Wahlkreis im Münchner Westen das Direktmandat im Landtag. Im Gespräch mit unserer Zeitung redet Schmid darüber, wie sich sein Leben seitdem verändert hat und über den Unterschied zwischen Kommunal- und Landespolitik.

Seit fast einem Jahr vertreten Sie die CSU im Landtag. Vermissen Sie die Arbeit als Zweiter Bürgermeister?

Ja und Nein. Natürlich war das ein ganz tolles Amt. Auch als Chef des Referats für Arbeit und Wirtschaft und als kommunalpolitische Spitze der CSU. Das alles hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht. Ich bin den Schritt in den Landtag aber auch ganz bewusst gegangen.

Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?

Ich wusste in etwa, worauf ich mich freuen kann. Zwischen dem Amt eines Landtagsabgeordneten und eines ehrenamtlichen Münchner Stadtrats sind die Unterschiede teilweise nicht so groß.

Inwiefern?

Als Stadtrat hat man unglaublich hohe Sitzungszeiten: Da ist man etwa zweieinhalb Tage in der Woche nur in Sitzungen, genauso wie im Landtag. Dazu die Vor- und Nachbereitung. Das ist im Landtag nicht anders.

Dann gibt es nichts, was sich für Sie verändert hat?

Doch natürlich. Im Landtag ist der Anteil der Gesetzgebung groß, das ist ein Arbeiten auf lange Sicht. Im Rathaus geht es viel um die Exekutive. Das ist etwas ganz anderes. Man hat viel mehr Verwaltungsentscheidungen. Jeden Tag. Ganz konkret. Dazu gehört, dass man ein Bürgermeister-Büro mit zwölf und ein Referat mit 225 Mitarbeitern leitet.

Das heißt: Ohne diese Verantwortung bleibt für Sie mehr Raum für Inhalte?

Genau. Früher hatte ich nicht die Zeit, ein Thema selbst zu recherchieren. Das machen Mitarbeiter, die einem Bürgermeister die Informationen liefern. Wissenschaftliche Mitarbeiter hat man im Landtag auch. Es ist aber schon so, dass man als Abgeordneter viel tiefer in der Sache arbeitet. Das macht mir großen Spaß.

Haben Sie unterm Strich jetzt mehr Zeit?

(lacht) Als Bürgermeister könnte man immer vier bis fünf Termine gleichzeitig machen. Jetzt sind es nur noch zwei oder drei. Ich habe nicht viel mehr Zeit als vorher. Auch, weil ich als Landtagsabgeordneter nun nicht nur mehr zu Terminen in München fahre, sondern in ganz Bayern.

Zusätzliches Privatleben gibt es also nicht?

Meine Frau hat schon gesagt: So viel hat sich gar nicht geändert. Früher hatte ich immer die Devise, dass ich zumindest an einem Abend pro Woche zu Hause bin. Jetzt ist es aber schon so, dass der ein oder andere Termin mehr für die Familie herausspringt. Den nutze ich sehr gern.

Dabei rückt die Kommunalwahl 2020 näher. 2014 und 2008 haben sie selbst als OB kandidiert, waren mittendrin im Trubel. Fällt Ihnen die Rolle als Zuschauer schwer?

So ist es ja nicht. Ich bin Vorsitzender des größten Münchner CSU-Kreisverbands und stellvertretender Bezirksvorsitzender: Mit diesen hohen politischen Ämtern und mit meiner Erfahrung bin ich natürlich weiterhin mittendrin. Ich bekomme viel mit.

Genug?

Auch wenn man nicht mehr derjenige ist, der selbst im Mittelpunkt einer Pressekonferenz steht und danach noch eine Mitteilung rausgibt, so ist man doch Teil des Ganzen. Deshalb bleibt es genauso spannend. Ich habe weniger Stress, bin mehr in der Beraterrolle. Das passt sehr gut.

Interview: Nadja Hoffmann

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