„Poetische Artistik auf höchstem Niveau“

von Redaktion

Die prominenten Premierengäste sind begeistert vom neuen Programm des Circus Roncalli

Stelzenläufer mit leuchtenden Kostümen staksen über den Gehsteig, die Luft ist erfüllt von Popcornduft und dem Zauber der Vorfreude. „Storyteller – gestern – heute – morgen“ heißt das neue Programm des Circus Roncalli, der wieder seine Zelte am Leonrodplatz aufgeschlagen hat. Unter die Premierengäste am Samstag mischt sich viel Münchner Prominenz.

„Ich hoffe, uns erwarten hier keine abgelatschten Eier“, sagt Franz Xaver Kroetz („Kir Royal“), der mit seiner Ex-Frau Marie Theres und seinem Sohn Ferdinand (24) gekommen ist. Traditionell sind die Roncalli-Premieren bei der Familie Kroetz Familientreffen. Seit 1983 ist Marie Theres Kroetz-Relin Stammgast bei Zirkusdirektor Bernhard Paul, Sohn Ferdinand, der in München Sonderschul-Pädagogik studiert, ist mit den Roncalli-Programmen aufgewachsen und liebt Zirkus. Sein Vater Franz Xaver ebenfalls – und schaut deshalb sehr kritisch hin. „Zirkus, das ist die losgelassene Fantasie, er muss große Geschichten erzählen und darf sich nicht in Kleinkunst verlieren wie Roncalli vor zwei Jahren, oder seine Programme aussehen lassen wie abgelatschte Fernsehshows, so wie das letzthin bei Circus Krone war“, schimpft Kroetz. Doch siehe da: Als ihn die Roncalli-Clowns später erst in die Welt der Fantasie und dann hinters Licht führen, lacht er schallend – so wie die anderen Zuschauer auch.

„Das ist poetisches Artistik-Theater auf höchstem Niveau“, lobt Schauspieler Helmfried von Lüttichau. Da er „nicht unbedingt ein Zirkusfan ist“, will das schon etwas heißen. Zuletzt war er vor 40 Jahren mit Anfang 20 im Circus Roncalli. Gekonnt hat er sieben Jahre lang mit Tollpatschigkeit in der Erfolgsserie „Hubert und Staller“ die Zuschauer begeistert. Nach seinem Ausstieg sei er nun keineswegs arbeitslos, erzählt der 63-Jährige: Zurzeit dreht er unter anderem für die ARD-Reihe „Reiterhof Wildenstein“. Sein besonderes Herzensprojekt aber widmet er dem Münchner Komik-Großmeister Karl Valentin: Am 24. Oktober beim Schlierseer Kulturherbst bringt er gemeinsam mit dem Kabarettisten Andreas Rebers ein Programm über Valentin auf die Bühne. „Valentin wiederzuentdecken lohnt sich, denn er hat immer noch recht.“

Ganz gelöst sitzt Uli Hoeneß in der ersten Reihe und wagt sich sogar mit einer Artistin zu einem Walzer in die Manege: „Roncalli ist einfach toll“, sagt er. Ex-Torschützenkönig Giovane Élber (47) erzählt: „Ich liebe Zirkus seit meiner Kindheit, in Brasilien hatten wir damals einen sehr einfachen, man musste sich die Stühle selbst aufstellen und alles war sehr familiär, aber voller magischer Momente.“

Magie verliert sich bei zu viel Getöse, findet der österreichische Schauspieler Peter Weck (89). Und weil Zirkusdirektor Bernhard Paul auf Pomp und Getöse verzichtet, gelingt es ihm, magische Momente zu zaubern. Kleine Geschichten, die tief ins Herz gehen. SUSANNE SASSE

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