Anfang Oktober warnte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit erstmals vor dem Verzehr bestimmter Wurstprodukte der Firma Wilke – der Rückruf wurde am 2. Oktober veröffentlicht (wir berichteten). In den Wurstwaren des Herstellers waren gefährliche Keime, sogenannte Listerien, nachgewiesen worden. Mittlerweile ist es traurige Gewissheit: Waren von Wilke werden mit drei Todesfällen und mindestens 37 weiteren Krankheitsfällen in Verbindung gebracht.
Auch in Bayern könnte die verkeimte Wurst Schaden angerichtet haben. Wie der BR berichtet, mussten in Hunderten Betrieben wie Kantinen, Restaurants, Krankenhausküchen und Supermärkten Waren sichergestellt werden. Allein in München seien 1000 Betriebe betroffen. „Die Informationen über den Rückruf hat die Lebensmittelüberwachung der Stadt München von ihrer Aufsichtsbehörde, der Regierung von Oberbayern, erhalten“, sagt ein KVR-Sprecher. Tückisch ist, dass sich der Name Wilke oft nicht auf den Etiketten der Wurstwaren findet, da diese unter verschiedener Eigenmarken in Discountern und im Großhandel vermarktet werden. Nur, wer sich mühsam auf der Webseite lebensmittelwarnung.de durchklickt, findet eine Liste mit Produkten und Marken. Mehrere Hundert Produkte, unter anderem aus den Bereichen (Pizza-)Salami, Schinken, Aufschnitt, sind betroffen. Ikea und Metro haben den Verkauf von Wilke-Wurst bereits Anfang Oktober gestoppt. Unsere Zeitung hat bei großen Lebensmittelketten nachgefragt: Netto, Lidl, Rewe, Real, Aldi und Hit geben an, keine Produkte von Wilke zu beziehen. Edeka hat sich bis Redaktionsschluss nicht gemeldet.
Welche Verkaufsstellen Wilke-Wurst führten, wurde von den Behörden nicht veröffentlicht. Das kritisiert Sabine Hülsmann von der Verbraucherzentrale Bayern. Nicht nur im Krisenfall hake es am System: „Besonders die Rückverfolgbarkeit in Produktion und Handel muss transparenter werden, sodass die amtliche Überwachung jederzeit Zugriff auf dieses System haben kann“, sagt sie. Und: Die Verantwortung für die Überwachung müsse künftig auf Länderebene liegen. Das sieht SPD-Stadtrat Christian Vorländer ähnlich: „Die Staatsregierung und das Landesamt für Lebensmittelsicherheit stehlen sich oft aus der Verantwortung“, meint er. CSU-Stadtrat Sebastian Schall und Grünen-Fraktionschefin Katrin Habenschaden nehmen die Stadt die Pflicht. Schall plädiert für verstärkte Lebensmittelkontrollen des KVR. Habenschaden fordert Auskunft über die Verbreitung verkeimter Wurst in München und über die Maßnahmen zur Warnung und zum Schutz der Verbraucher. Von dem Skandal unabhängig will das KVR ohnehin bei der Lebensmittelkontrolle aufsatteln: Nächste Woche soll der Stadtrat sechs neue Stellen genehmigen.
Wichtig zu wissen: Produkte des Wurstherstellers sind an der Kennung DE EV 203 EG zu erkennen. Das Problem: Wer in der Kantine oder an der Fleischtheke im Supermarkt steht, sieht diese Kennung nicht. Dasselbe gilt für Patienten in Klinken, Bewohner in Altenheimen oder Eltern von Kindern, die in der Kita essen. Eine Sprecherin der München Klinik teilt auf Anfrage mit, man habe „sofort“ reagiert, als die Rückrufaktion bekannt wurde. „Möglicherweise belastete Lebensmittel wurden umgehend entfernt.“ Es sei sichergestellt, dass in der München Klinik keine beeinträchtigten Lebensmittel im Einsatz sind, betont die Sprecherin.