Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Dieses geflügelte Wort gilt ausgerechnet für das bildgebende Handwerk mitunter nicht mehr. Zumindest in München. Mitesser, Milien & Co. dürften hier hingegen kaum eine Daseinsberechtigung mehr haben. Denn ein ganzes Heer an professionellen Hautreinigern haben ihnen den Kampf angesagt. An die 1700 Kosmetiker/innen betreiben mit ihren Angestellten große und kleine Salons in der Stadt. Tempel der Schönheit, nennen sie die einen. Handwerksbetriebe heißen sie nüchtern in der Statistik. Denn als solche werden die Kosmetiker in der Liste der Handwerksbetriebe im Statistischen Jahrbuch der Stadt München geführt.
Wobei es im Zentrum der traditionsliebenden Freistaatler doch fast noch mehr überrascht, welche Handwerksgruppen gänzlich aus der Stadt verschwunden sind. Die Müller zum Beispiel. Keinen einzigen Betrieb gibt es laut der Liste mehr in München. Heißt: 100 Prozent des Mehls muss nach München importiert werden.
Und auch keinen einzigen Schirmmacher gibt es noch in der Stadt. Was ja fast noch ein bisschen erstaunlicher ist, bedenkt man einmal, wie viele Frisuren vor Regen geschützt werden müssen, die in den rund 1500 Friseur-Betrieben in München gehandwerkert werden. Auch dass es in der modeaffinen Stadt keine Gerber und Appreteure, also Stoffveredler, gibt, erstaunt ein wenig. Und Plisseebrenner? Okay, die gibt’s schon lange nicht mehr.
Aber auch kein einziger ortsansässiger Brunnenbauer bohrt in unserer Stadt noch nach Wasser. Möchte man in seinem Gärtchen einen kleinen Brunnen haben, muss man schlichtweg auf Experten aus dem Umland zurückgreifen.
Apropos Wasser: Raten Sie mal, welches Handwerksgewerbe die meisten Betriebe in München stellt. Nach letzten Zahlen waren es die 4259 Gebäudereiniger-Betriebe. Klar, da sind viele Einmannbetriebe darunter. Aber es ist manchmal schon erstaunlich, welche Bedürfnisse es in einer 1,5-Millionen-Einwohner-Stadt gibt – und welche gar nicht mehr.
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