Das Jahr der Superlative

von Redaktion

VON KLAUS VICK

Vom Millionendorf zur Metropole. Das ist München im Jahr 2019. Muss man nicht gut finden. Ist aber so. Beweismaterial für das internationale Flair und die expandierende Stadt liefert das Statistische Amt. Wer etwa die Zahl der angemeldeten Autos betrachtet sowie das immense Plus an Arbeitsplätzen und Pendlern, muss sich über das tägliche Verkehrschaos nicht mehr wundern.

Arbeitsmarkt

Fast 394 000 Menschen pendelten im Vorjahr zur Arbeit nach München, 2010 waren es noch 316 000. 45,1 Prozent der 874 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in München kommen von außerhalb. Allein im Vorjahr entstanden in München fast 24 000 neue Arbeitsplätze. Aber auch die Zahl der Auspendler ist im Zeitraum von 2010 bis 2018 von 130 000 auf 186 000 gestiegen.

Bevölkerung

Ein wenig abgeschwächt hat sich das Einwohnerwachstum. Rund 16 000 Neubürger kamen 2018 hinzu, in den Jahren davor waren es jeweils 20 000 bis 30 000. Auch im laufenden Jahr sind es bisher „nur“ gut 10 000. Zum 30. September 2019 lag die Einwohnerzahl bei 1,552 Millionen.

Einbürgerungen

Eklatant ist der Anstieg der Einbürgerungen. 5866 Menschen beantragten 2018 einen deutschen Pass, 48,8 Prozent mehr als 2017. Allein 482 Bürger aus dem Vereinigten Königreich waren darunter – eine Verdoppelung der Zahl. Offensichtlich hat der Brexit viele Briten zu diesem Schritt bewogen. Die Kroaten haben die Türken als größte Bevölkerungsgruppe mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit abgelöst. 38 137 Menschen waren kroatischer Herkunft, 37 876 Türken. Dahinter folgen Italiener (27 821), Griechen (26 560) und Österreicher (21 046).

Familie und Soziales

Das Durchschnittsalter der Münchner beträgt 41,2 Jahre, 3,2 Jahre unter dem Bundes- und 2,6 Jahre unter dem Landesdurchschnitt. „München ist eine relativ junge Stadt“, sagte die Leiterin des Statistischen Amtes, Uta Thien-Seitz, am Dienstag bei der Vorstellung des Jahrbuches. Der prozentual höchste Anteil an Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren lebt im Bezirk Trudering-Riem (20,4 Prozent), der niedrigste in der Maxvorstadt (9,8 Prozent). Die beliebtesten Vornamen bei den 17 587 Neugeborenen waren Anna und Maximilian. Der Stadtteil mit den durchschnittlich ältesten Menschen ist Hadern. 21,9 Prozent der Einwohner sind hier 65 Jahre und älter. In der Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt leben mit einem Anteil von 11,2 Prozent nur wenige Senioren.

Kirchliches Leben

Die Zahl der Kirchenaustritte hat 2018 mit 13 879 Personen einen Rekordwert erreicht. Nur noch 42 Prozent der Münchner Bevölkerung gehören einer der beiden großen christlichen Konfessionen an. Der höchste Anteil findet sich im Stadtbezirk Allach/Untermenzing (48,8 Prozent), der niedrigste in Milbertshofen/Am Hart (35,0).

Wetter

Auch das Wetter bescherte der Landeshauptstadt im Vorjahr Rekorde. Die Tagesmitteltemperatur von 11,3 Grad Celsius war die wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Fast jeder vierte Tag – insgesamt 87 – erreichte einen Maximalwert von 25 Grad. Die Höchsttemperatur wurde mit 35,1 Grad am 9. August gemessen.

Verkehr

Trotz großer Debatte über die Verkehrswende steigt die Anzahl der Autos weiterhin an. Rund 714 658 Pkw waren am Jahresende 2018 angemeldet, 8600 mehr als 2017. In Allach-Untermenzing gibt es mit 54 Pkw auf 100 Einwohner den höchsten Fahrzeug-Anteil, in der Ludwigs-/Isarvorstadt den niedrigsten (29). Die Neuzulassungen bei SUVs stiegen gegenüber 2017 um fast 50 Prozent. Alarmierend: Die Zahl der Schulwegunfälle wuchs im selben Zeitraum um 40 Prozent von 85 auf 119. Dabei wurden 122 Menschen verletzt und einer getötet. Vor allem Radfahrunfälle haben drastisch zugenommen.

Wohnungen

Bei neu gebauten Wohnungen hat Thien-Seitz im Laufe der vergangenen Jahre einen klaren Trend erkannt: „Die durchschnittliche Wohnungsgröße wird immer kleiner.“ 72,8 Quadratmeter betrug sie 2018, fünf Quadratmeter weniger als 2017. 8094 Wohnungen wurden im Vorjahr fertiggestellt, damit wurde der Spitzenwert von 2017 (8272) verfehlt. In den zentrumsnahen Bezirken ist das Wohnbaupotenzial fast erschöpft.

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