Spiel des Lichts

von Redaktion

NACHRUF  Der internationale Design-Star Ingo Maurer starb im Alter von 87 Jahren

VON SIMONE DATTENBERGER

Er ist ein Kind des Lichts. Deswegen kann Ingo Maurer, der am Montag im Kreis seiner Familie in München im Alter von 87 Jahren verstorben ist, gar nicht tot sein. Er hat nur die leuchtenden Sphären gewechselt – an einem Tag zwischen dämmerigem Nebelgrau und herbstlicher Sonnenpracht. Beide Natur-Lichtspiele beweisen, dass Maurers Lampen immer gebraucht werden. „Spiel“ und „Kind“ sind die Stichworte, die den Gestalter charakterisieren: Immer waren Fantasie und Leichtigkeit, Ausprobieren und Weisheit, Humor und Neugier für sein Schaffen bestimmend.

Da gibt es die Weißwurscht und die Micky-Maus-Ohrwaschln, explodiertes Geschirr und ein Schlangenbeschwörer-Reptil, flatternde Notizzettel und Schmetterlinge: Lampen-Langeweile kam nicht infrage. Schon Ingo Maurers erstes Objekt, „Bulb“ von 1966 – er hatte gerade „Design M“ in München gegründet – war eine Gaudi. Aber eine praktische: „Bulb“ ist eine stattliche Glühbirne – das Leuchtmittel als Tischlampe. Kein Wunder, dass der Münchner, der 1932 auf der Reichenau geboren wurde, traurig war, als ausgerechnet die Birnen mit dem Draht verboten wurden. Er hatte sie mit Engelsflügerln ausgestattet, sie wuchsen aus Putzhandschuhen und wurden von Schnaken umschwirrt. Er hat sogar das „Monument for a Bulb“ geschafften, natürlich ist es ebenfalls eine Lampe.

Ingo Maurer war nicht nur ein Kind des Lichts, er war auch ein Vollprofi. Licht muss den Menschen manchmal ganz profan heimleuchten, etwa in einem U-Bahnhof. Sich gut und sicher zurechtzufinden ist da eine Notwendigkeit. Diese Bedingung erfüllte der Profi. Der Künstler und der Philosoph in Maurer wussten aber, dass sich Menschen außerdem seelisch, gefühlsmäßig und spirituell zurechtfinden wollen. Selbst im Marienplatz-Untergeschoss umhüllt den Menschen etwas Besonderes, das im Alltag hilft. Noch wichtiger ist das am Westfriedhof (U-Bahnhaltestelle).

Seinen letzten Auftritt hatte Ingo Maurer, der weltweit zu unzähligen Ausstellungen eingeladen war und etliche Ehrungen erhielt, im Theater. Viele leise lispelnde Flügel tragen die „Silver Cloud“ seit vergangenem Samstag im Residenztheater-Wintergarten.

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