Der Abriss des Münchner Hauptbahnhofs ist in vollem Gange. Der Schwammerl ist Geschichte, die Schalterhalle ist ebenfalls verschwunden. An ihrer Stelle soll bald eine riesige Baugrube für die zweite Bahnstrecke klaffen. Das gigantische Projekt soll bis 2028 fertig sein. Bereits im Vorfeld hatte es viel Protest gegen den Abriss gegeben – jetzt wollen drei Bürger die Verantwortlichen vor Gericht zerren. Sie haben Strafanzeige erstattet, „wegen Zerstörung eines öffentlichen Denkmals“.
Wie Karl Hofmann, Vorsitzender der Initiative Münchner Architektur und Kultur (AKU), unserer Zeitung am Freitag mitteilte, hat auch der Bamberger Denkmalschützer Dieter Martin Strafanzeige erstattet – unter anderem gegen den Vorstand der Deutschen Bahn und Stadtbaurätin Elisabeth Merk. In seiner Anzeige heißt es, der Abriss sei „rechtswidrig“, denn die „Beseitigung eines Baudenkmals“ sei erlaubnispflichtig. Bahn und Stadt „leugneten“ aber die „Denkmaleigenschaft“ des Hauptbahnhofs. Für die AKU ist das „milliardenschwere Großprojekt“ Hauptbahnhof mit seiner geplanten „futuristischen Entgleisung“ hingegen der „größte Schwarzbau aller Zeiten“. Hofmann spricht von einer „gigantischen Kulturzerstörung und Verschleuderung von Steuermitteln“.
Die Bahn hält dagegen: „Für den Abbruch des Münchner Hauptbahnhofs liegt eine gültige Planfeststellung vor, die aus einem öffentlichen Planfeststellungsverfahren hervorgegangen ist. Somit liegt eine rechtskräftige Grundlage für den Abbruch vor“, so eine Bahnsprecherin auf Nachfrage. Im Zuge der Planfeststellung seien auch denkmalschutzrechtliche Belange geprüft worden. Die Staatsanwaltschaft München I konnte sich zu einem Ermittlungsverfahren noch nicht äußern. ANDREA STINGLWAGNER