Express zum Airport: Zug abgefahren

von Redaktion

Eine Expressbahn zum Münchner Flughafen wird es vorerst nicht geben. Der Airport hat entsprechende Pläne nun begraben. Eine Sprecherin bestätigte Informationen unserer Zeitung. Grund sind offenbar fehlende Kapazitäten am Ost- und Hauptbahnhof. Politiker im Rathaus sind wenig begeistert.

VON SASCHA KAROWSKI

Im Vorjahr hatte der Flughafen München erneut Rekordzahlen vermeldet. Das Passagieraufkommen verzeichnete mit 46,3 Millionen Kunden ein Plus von 3,8 Prozent gegenüber 2017. Ist man erst einmal am Airport, dann geht es schnell in alle Welt: Flugreisen nach London, Amsterdam, Peking oder New York – kein Problem. Allein der Weg zum Flughafen ist mühsam, zumindest mit dem öffentlichen Nahverkehr. Nur rund ein Drittel der Fluggäste nutzt zur An- und Abreise zum Airport die S-Bahn.

Grund ist die unzureichende Anbindung. Die S8 braucht vom Hauptbahnhof aus mindestens 40, die S1 sogar eher 45 Minuten. Seit dem Umzug des Flughafens 1992 aus Riem gibt es daher Diskussionen, wie die Anbindung verbessert werden kann. Passiert ist kaum etwas, auch weil wegen des Traums von einem Transrapid sämtliche Alternativplanungen nicht weiterverfolgt wurden.

Nun scheint eine weitere Möglichkeit vom Tisch. Wie berichtet, hatte der Flughafen eine Expressbahn auf eigene Kosten in Planung. Vor knapp zwei Jahren hieß es noch, die Pläne ruhten so lange, bis die Staatsregierung das Betriebskonzept für das S-Bahn-System mit der zweiten Stammstrecke erarbeitet habe. Nun steht fest: Die Expressbahn kommt gar nicht. „In der Tat hat es in der Vergangenheit Ideen für eine Expressverbindung zum Airport gegeben. Aufgrund von Infrastrukturengpässen lassen sich diese Planungen jedoch leider nicht realisieren“, sagte eine Sprecherin des Flughafens auf Anfrage unserer Zeitung. „Die Infrastrukturengpässe beziehen sich unter anderem auf die Schieneninfrastruktur sowie Bahnübergänge. Die Kosten für das Projekt wären im niedrigen dreistelligen Millionenbereich gelegen.“ Weiter hieß es, dass weder am Haupt- noch am Ostbahnhof Kapazitäten zur Verfügung stünden. „Aber wir begrüßen grundsätzlich jede Verbesserung der Verkehrsanschließung des Flughafens auf der Schiene.“

FDP-Fraktionschef Michael Mattar beschäftigt sich seit Langem mit der Flughafen-Anbindung. Unter anderem hatte er bereits einen Vorschlag gemacht, wonach der Regionalzug aus Freising in Neufahrn stoppen und eine zusätzliche Pendel-S-Bahn zwischen Neufahrn und Flughafen fahren könnte. Das ließ sich nicht umsetzen. „Angeblich seien die Gleise im Flughafen zu stark belegt, allerdings soll das ab 2023 durch die Wendemöglichkeit weiter östlich möglich sein“, sagt Mattar.

Das Scheitern der Expressbahn hält er für ein Zeichen der „Fehlplanung des gesamten S-Bahn- und Regionalbahnsystems im Großraum München. Die Verkehrspolitik des Freistaats und der Bahn besteht zum Großteil nur aus Ankündigungen, wie für den ICE-Halt am Flughafen, der frühestens in 15 bis 20 Jahren kommen würde.“ Die Menschen aber bräuchten jetzt Lösungen. „Ein Unding ist es, dass der Güterverkehr durch München der Bahn wichtiger ist als die Verbesserung des Regionalverkehrs.“

SPD-Stadtrat Jens Röver sagte: „Das ist kein gutes Zeichen. Wir fordern eine effiziente und schnelle Anbindung des Flughafens an den Münchner Hauptbahnhof mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Der Ausbau des S-Bahn-Systems in die Region inklusive einer Express-S-Bahn ist auch deshalb dringend nötig.“ Dafür müssten nun die Voraussetzungen geschaffen werden.

Artikel 8 von 10