Seit den Pflasterarbeiten in der Sendlinger und der Hackenstraße im Sommer bestehe das Problem, erzählt der Wirt. „Die Mäuse wurden durch das laute Rütteln bei den Bauarbeiten aus dem Untergrund vertrieben und sind überall im Viertel ausgeschwärmt, da hatten viele hier Probleme.“ Er habe einen Kammerjäger beauftragt und schon frühzeitig viele Öffnungen im Lokal geschlossen, durch die Mäuse hineinschlüpfen können.
Das war offenbar nicht genug: Bei drei Kontrollen des Kreisverwaltungsreferats (KVR) im September und Oktober bekam Pongratz Auflagen zur Bekämpfung der Nager. Vom KVR heißt es auf Anfrage: „Es wurden erhebliche Hygienemängel und Mängel bei der Schädlingsbekämpfung festgestellt. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Reinigungsmängel und Mäusebefall bzw. Verschmutzungen durch Mäusebefall.“ Daher sei eine Betriebsschließung erforderlich gewesen.
Am 19. September war das Alte Hackerhaus auch tatsächlich geschlossen. Paul Pongratz: „An diesem Tag haben wir die Arbeiten durchgeführt, um die Auflagen zu erfüllen.“ Unter anderem habe er Wandleisten angebracht, damit die Mäuse nicht durch Ritzen kommen können. Bezüglich zweier Termine danach teilte das KVR mit: „Bei der Nachkontrolle am 20. September konnte nach der Grundreinigung die Betriebsschließung wieder aufgehoben werden. Die Mängel waren größtenteils behoben. Bei einer weiteren Nachkontrolle am 29. Oktober wurde erneut Schädlingsbefall festgestellt, jedoch in geringerem Ausmaß. Der Betrieb muss die Schädlingsbekämpfung verstärken. Von Seiten der Lebensmittelüberwachung wird der Betrieb weiterhin verstärkt kontrolliert.“
Der Wirt zeigt Verständnis. „Die Stadt muss da streng sein.“ Und er spielt mit offenen Karten. „Wir bemühen uns wirklich, alles einzuhalten. Seit die Baustelle weg ist, ist die Situation besser“, sagt Paul Pongratz. „Aber der Kampf gegen Ungeziefer ist aufwendig und langwierig…“
Das Alte Hackerhaus steht nicht zum ersten Mal im Fokus des KVR. Bereits im November 2012 stellten Kontrolleure Hygiene- und Baumängel fest. 644 Euro Bußgeld sollte der Wirt seinerzeit zahlen. Pongratz legte Einspruch ein. Seine Erklärung: Es habe sich um eine Ausnahmesituation gehandelt, da gerade einen Wasserschaden im Lokal gab. Das ließ der Kontrolleur 2014 vor Gericht nicht gelten: „In den letzten Jahren war keine einzige Kontrolle dabei, wo der Betrieb in Ordnung war.“
Der aktuelle Vorfall nimmt Pongratz mit. „Ich bin seit 36 Jahren hier Wirt. Die Arbeitsbelastung steigt. Das aktuelle Problem ist zusätzlich belastend. Deshalb überlege ich allmählich, in den Ruhestand zu gehen.“ Ein weiterer Grund für seine Rückzugsgedanken: Vor vier Wochen hatte Paul Pongratz’ Frau einen Herzinfarkt. Nach einer Herz-Operation könne sie vorerst nicht mehr arbeiten. „Ich möchte nicht riskieren, dass mir etwas Ähnliches passiert wie meiner Frau…“