Mit dem Einbaum zur Herz-OP

von Redaktion

Sie fuhren stundenlang durch tropische Hitze und paddelten über einen Sumpf voller Krokodile: Die Reise von Abdou (2) und seinem Vater Aboubakar (27) zum Deutschen Herzzentrum München klingt nach einem Abenteuer, das einem Indiana-Jones-Film entspringt. Nur stand dabei viel mehr auf dem Spiel: Es ging um das Leben des Zweijährigen.

VON STÉPHANIE MERCIER

Abdou ist schwach. Es liegt an einem Loch in seiner Herzscheidewand, findet ein Arzt bei einer Ultraschalluntersuchung heraus. Zudem ist seine Herzkammer stark vergrößert. Doch in seinem Heimatland Gambia in Westafrika kann dem zweijährigen Bub nur mit Tabletten geholfen werden. Mit dieser Behandlung wird er wohl nicht älter als zwanzig Jahre werden. Abdous Glück: Die Stiftung „Herz für Herz“ des Münchner Unternehmer-Paares Erich und Irène Lejeune wird auf sein Schicksal aufmerksam. Sie spendet 35 000 Euro, damit der Bub im Deutschen Herzzentrum München die Hilfe erhält, die er braucht. Doch bevor ihn die Chirurgen operieren können, muss Abdou eine abenteuerliche Reise bewältigen.

In einem Einbaum fahren der Vater und sein Sohn durch tropische Mangrovensümpfe. Kein ungefährliches Unterfangen: Das Gewässer ist das Revier von westafrikanischen Krokodilen. Doch die beiden erreichen nach einer halben Stunde unversehrt das andere Ufer. Dort geht es weitere acht Stunden mit dem Bus über die Savannenstraße durch Senegal bis in die Hauptstadt Dakar. Anschließend fliegen die beiden bis nach München.

Die anstrengende Reise lohnt sich: Obwohl der Herzfehler komplizierter ist, als die Chirurgen anfangs dachten, können sie Abdou helfen. „Wir konnten die Öffnung zwischen den beiden Herzvorhöfen mit einem Kunststoffstück verschließen und auch die viel zu große Öffnung der Herzklappe wieder verkleinern“, erklärt der behandelnde Kinderherzchirurg Professor Jürgen Hörer. Der Bub erholt sich so gut von dem dreieinhalbstündigen Eingriff, dass er keine weiteren Operationen braucht.

„Der Kleine hat jetzt ein ganz normales Leben vor sich“, sagt Professor Peter Ewert, Direktor der Klinik für angeborene Herzfehler und Kinderkardiologie des Herzzentrums.

Am Sonntag sind Abdou und sein Vater wieder nach Hause gereist. „Ich weiß nicht, wie ich den vielen Menschen danken kann, die uns das alles ermöglicht haben“, sagte Vater Aboubakar zum Abschied. „Aber ich werde immer für sie beten.“ Auch der kleine Abdou ist froh, wieder nach Hause zu dürfen. Worauf er sich da am meisten freut? Endlich wieder seine Mama und seinen Bruder in die Arme schließen zu können.

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