Max, du fehlst

von Redaktion

Nach dem Unfall in Laim trauern Freunde und Mitschüler um den 14-Jährigen

VON SARAH BRENNER UND STEFANIE WEGELE

Der Schock und die Trauer sind greifbar – man spürt sie in jeder Minute. Immer wieder bleiben Münchner an der Litfaßsäule an der Fürstenrieder Straße in Laim stehen. Sie legen Blumen, Engelfiguren und Kerzen ab. Sie weinen, liegen sich in den Armen. Sie können nicht fassen, warum Max (14) sterben musste. Wie berichtet starb der Schüler in der Nacht zum Samstag, weil Victor B. (34) ihn auf der Fürstenrieder Straße mit seinem Auto erfasste.

Max’ Lehrer, Mitschüler, Freunde – sie alle sind fassungslos, stellen sich dieselben Fragen. Was wäre gewesen, wenn…? Wenn Max ein paar Sekunden früher über die Straße gegangen wäre? Wenn er einen anderen Weg gewählt hätte?

Antworten wird es nicht geben. Was bleibt, ist ein tiefes Loch, das die Freunde des Gymnasiasten mit lieben Worten zu füllen versuchen. „Lieber Max, es ist unfassbar, was passiert ist, wir können und wollen es nicht glauben“, steht auf einem DIN-A4-Blatt, das Freunde am Ort des Geschehens niedergelegt haben. „Der Verlust, den deine Familie erleidet, ist unerträglich!!! Ruhe in Frieden, lieber Max,“

Auch sein bester Kumpel wird seit dem Unfall von einer „nicht enden wollenden Leere“ und tiefer Trauer gequält. Der Schüler hat die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Mit zitternden Händen zupft er ein Stofftaschentuch aus der Tasche. „Ich versteh’s nicht“, flüstert der Bub. „Warum er? Warum Max?“

Der Freund macht sich selber Vorwürfe. Schließlich, so erzählt er, sei er am Freitagabend nicht dabei gewesen, als es passierte, als Max meterweit durch die Luft geschleudert wurde. Von dem Unfall erfuhr er erst, „als es schon zu spät war“. Per SMS, von einer Bekannten. Zwei Sätze, die das Leben des Schülers aus der Bahn warfen. „Ich fühle mich wie entgleist“, sagt er, „wütend und traurig zugleich.“ Halt und Trost bekommt er von seiner Familie, von seinen Freunden und Mitschülern. Eine Stütze in dieser schweren Zeit versucht den Schülern auch Alexander Schröder zu sein, der Schulleiter des Erasmus-Grasser-Gymnasiums. Er muss den Schulalltag aufrechterhalten und gleichzeitig den Bedürfnissen der Trauernden gerecht werden. „Für viele ist es wichtig, eine Routine zu behalten, aber auch einen Raum für die Trauer zu haben“, sagt er. Nicht nur die Zeit, auch den Ort dafür stellt die Schule den Jugendlichen zur Verfügung. In einem Klassenzimmer finden sie Ruhe, sie werden aber auch begleitet. Drei Psychologen werden so lange im Haus sein, wie die Schüler sie brauchen. Auch der Schulleiter ist betroffen von dem, was passiert ist: „Ich kann mir nichts Schlimmeres vorstellen, als mit so einem sinnlosen Tod eines jungen Menschen umzugehen.“

Damit umgehen – das versuchen nun auch Max’ Mitschüler. Irgendwie, so gut es geht. Trotz all der Kälte in diesem November gehört dazu auch Wärme. Denn genau so sei Max gewesen, erzählt sein Freund. „Immer am Strahlen und wunderbar warmherzig.“

Artikel 6 von 8