Wenn nachts um drei das Handy klingelt, erschaudern die meisten Menschen – können zu dieser Zeit doch nur schlechte Nachrichten am anderen Ende der Leitung warten. Henry freut sich über den Alarm. Für den Labrador-Retriever beginnen dann spannende Stunden – denn er setzt seine Spürnase für das Bayerische Rote Kreuz (BRK) ein. Sein Herrchen Mark Wallburg, 42, trainiert ihn seit mehr als drei Jahren für den Ernstfall. Zusammen suchen sie nach Vermissten, etwa Dementen, die nach einem nächtlichen Spaziergang nicht mehr nach Hause zurückfinden. „Der Hund findet das super“, sagt Wallburg. „Denn am Ende bekommt er eine Riesen-Belohnung.“ Bis zu 30 Mal passiert das im Jahr – egal, ob es warm ist oder bitterkalt. „Das ist schon eine wilde Nummer.“
Hauptberuflich verkauft Wallburg Versicherungen. Wenn etwas Unvorhergesehenes passiert, helfe er gerne, sagt er. Deshalb trainiert er seit fast vier Jahren mindestens sechs Mal im Monat mit Henry in der Rettungshundestaffel. Zusätzlich hat Wallburg sich mit seiner Frau Tasja beim Roten Kreuz zum Fachsanitäter ausbilden lassen. Am Wochenende schiebt er Bereitschaftsdienste als Ersthelfer. „Wir sind oft schon nach drei Minuten am Unfallort“, sagt Wallburg.
Anita Sparrer, 71, hat zwar ruhige Nächte, dafür aber wilde Tage. „Nach meinem Ruhestand wollte ich aktiv bleiben“, sagt sie. Deshalb hat sie vor fünf Jahren angefangen, Grundschülern das Lesen schmackhaft zu machen. Die Freiwilligen-Agentur Tatendrang ermöglichte das. „Da ich selbst keine Enkel habe, war das eine gute Gelegenheit, mich mit Kindern zu beschäftigen.“ Heute geht sie ein- bis zweimal in der Woche in die Mittelschule. Dort bringt sie Kindern von zehn bis vierzehn Jahren aus dem Ausland spielerisch die fremde deutsche Sprache bei. „Ich bin immer wieder überrascht, wenn sie nach ein paar Wochen schon auf Deutsch antworten können“, sagt Sparrer stolz.
Nicolas Mercier, 29, ist seit 21 Jahren Pfadfinder. Als Achtjähriger lernte er im Sommerlager, wie man ein Feuer macht – und als Erwachsener brachte er das selbst dem Nachwuchs bei. Schon als Kind lerne man so bei den Pfadfindern Verantwortung, findet Mercier. „Auch später haben wir als Jugendliche unsere Ausflüge zum großen Teil selbst organisiert. Sachen, von denen man immer träumt, einfach zu machen – davon wird man selbstständig“, sagt er. „Als Pfadfinder lernt man aber auch Teamwork, Spontaneität – und wie man die Angst vor Problemen verliert.“ Mit 18 Jahren sei er deshalb ehrenamtlicher Gruppenleiter geworden. Heute kümmert sich Mercier um Partnerschaften mit französischen Pfadfinderverbänden. Das alles neben seinem Beruf als Gesellschafter eines Medienunternehmens. „Pfadfinder zu sein, ist für mich ein Erholungspool. Das Ehrenamt ermöglicht mir, immer mal wieder abzutauchen, bevor es zurück in die reale Welt geht.“
Die Stadt München unterstützt übrigens ehrenamtliches Engagement – zum Beispiel durch individuelle Beratungen, Schulungen, Versicherungsschutz und auch Auszeichnungen.