Das Vertrauen in die Altersvorsorge bröckelt. Laut einer Umfrage des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) brachte es die gesetzliche Rente zuletzt nur auf einen Wert von 3,9 – auf einer Skala von eins bis zehn. Über die Hälfte der Deutschen fühlen sich erst mit einer Rücklage in Höhe eines Jahresgehalts sicher – das geht aus einer Studie des Zinsportals Weltsparen hervor. Michael Schessl von der Verbraucherzentrale erklärt, wie man in sechs Schritten auch im Alter finanziell auf sicheren Beinen steht.
Überblick verschaffen
„Man muss seine Ausgaben erst einmal kennen, um sie optimieren zu können“, sagt Michael Schessl. „Ein Haushaltsbuch zu führen, ist clever – nicht altmodisch.“ Also: Kreditraten, Miete, Lebensmittel, Kleidung, Versicherungen, Tickets für den ÖPNV – all diese monatlichen Ausgaben sollte man auflisten. Dazu zählen übrigens noch keine unregelmäßigen Ausgaben wie Reisen oder Reparaturen (siehe Punkt 3).
Verträge sortieren
Nach einer gewissen Zeit gewöhnt man sich an die Summen, die monatlich vom Konto abgehen – man sollte aber genauer hinsehen. Denn fast jeder hat irgendwann mal etwas abgeschlossen, was unnötig oder zu teuer ist. Verträge sollten regelmäßig geprüft werden: Strom, Gas, Telefon, Handy – „und vor allem unnötige Versicherungen“, sagt Schessl.
Geld zurücklegen
Es ist schnell passiert: Das Smartphone fällt auf den Boden, jetzt muss Geld für die Reparatur her – noch teurer wird’s bei Computer, Waschmaschine oder Auto. Damit das Konto nicht überzogen wird, sollte man sich einen Puffer zulegen. „Für Notreserven ist zum Beispiel ein Tagesgeldkonto ideal“, empfiehlt Schessl. Auch andere unregelmäßige Ausgaben sollten bei monatlichen Rücklagen beachtet werden – damit man für Jahresbeiträge von Versicherungen, für neue Möbel, Reisen und auch die private Altersvorsorge gewappnet ist. Achtung: Schuldentilgung geht vor Sparen. Zuerst sollte man Schulden abbauen, bevor man Geld anderweitig anlegt.
Vermögen versichern
Auch die solideste Geldanlage kann sich in Luft auflösen, wenn man für einen Schaden mit dem eigenen Vermögen haften muss. Haftpflicht und Berufsunfähigkeitsversicherung sind deshalb Pflicht. Wer verheiratet ist und Kinder hat, sollte auch eine Risiko-Lebensversicherung abschließen – das ist vor allem sinnvoll, wenn die Familie auf das eigene Einkommen angewiesen ist oder man eine Immobilie auf Kredit gekauft hat. Wer ein Eigenheim besitzt, sollte auch eine Wohngebäudeversicherung abschließen. „Meist überflüssig sind dagegen etwa Reisegepäck- oder Handyversicherungen“, so Schessl.
Rentenlücke berechnen
Ja, auch Jahre vorher kann man schon ungefähr wissen, wie viel Geld man in der Rente benötigt. In Punkt 1 und 3 wurden bereits aktuelle Ausgaben berechnet. „Stellen Sie sich vor, dass Sie in diesem Moment in den Ruhestand gehen müssten“, sagt Schessl. Abziehen sollte man also Ausgaben, die im Rentenalter sicher nicht mehr anfallen werden – etwa für Kinder. Hinzurechnen sollte man aber auch Mehrkosten – etwa Steuern auf Rente. Rechnet man nun die Inflation ein (etwa auf zinsen-berechnen.de) erfährt man ungefähr, welche Ausgaben im Alter auf einen zukommen. Nun sollte man diese Ausgaben mit den späteren Einnahmen (ebenfalls unter Berücksichtigung der Inflation) vergleichen – wenn bei dieser Rechnung die Ausgaben höher als die Einnahmen sein sollten, ergibt sich die Rentenlücke.
Finanzloch schließen
Mit einem Sparrechner (ebenfalls auf zinsen-berechnen.de) bekommt man raus, wie viel Geld man monatlich zur Seite legen muss, um die Lücke zu schließen. Dabei sollte man unbedingt auf die Rendite achten. „Nehmen Sie die Auswahl der Finanzprodukte in die eigene Hand“, sagt Schessl. „Sparpläne in Index-Fonds (ETFs) sind für die Altersvorsorge gut geeignet.“ So hat man langfristig gute Chancen, die Inflation zu schlagen – und dabei zu verdienen. Bei der Riester-Rente profitieren vor allem junge, verheiratete Menschen mit geringem Einkommen und/oder vielen Kindern von der staatlichen Förderung. Auch gut verdienende Singles kommen mit Steuervorteilen zum Zuge. Eine Gehaltsumwandlung lohnt sich nur, wenn sich der Arbeitgeber mit mindestens 50 Prozent des Gesamtbeitrags beteiligt. Die Rürup-Rente lohnt sich, wenn überhaupt, für Selbstständige.
Welches Produkt zu Ihnen passt, erfahren Sie bei der Verbraucherzentrale.