Eine Reise von München nach Brüssel ist ab sofort mit dem Nachtzug möglich. Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) verbinden die bayerische mit der belgischen Hauptstadt. Der Zug startet in Innsbruck, am Sonntagabend war Premiere. Einen weiteren sogenannten Nightjet starten die ÖBB von Wien – mit Halten unter anderem in Nürnberg, Frankfurt/Main und Köln.
Die Nachtzüge fahren sonntags und mittwochs von Wien (20.38 Uhr) und Innsbruck (20.44 Uhr) nach Brüssel. Die Rückfahrten finden jeweils einen Tag später statt. Für die gesamte Strecke ab Wien beziehungsweise ab Innsbruck brauchen die beiden Züge mit Sitz-, Liege- und Schlafwagen rund 14 Stunden.
Angesichts stetig wachsender Fahrgastzahlen im Bahnverkehr wird in Deutschland über die Ausweitung des Nachtzugverkehrs diskutiert. Der Trend zum Nachtzug bescherte den ÖBB bisher stark steigende Fahrgastzahlen in dieser Nische. Die ÖBB hatten vor drei Jahren das Geschäft der Deutschen Bahn übernommen und bieten Verbindungen etwa nach Berlin, Hamburg, Zürich oder Rom an. Sie erkennen auch die deutschen Rabattkarten Bahncard 50 und 25 an. Bis 2026 soll der Nightjet-Betrieb stufenweise ausgebaut werden.
Die deutsche Bundesregierung steht einem Ausbau des Nachtzugangebots zwar offen gegenüber – an der Finanzierung will sie sich aber nicht beteiligen. Da Nachtzüge nicht Teil des gemeinwirtschaftlichen Verkehrs seien, müssten die Unternehmen selbst über das Angebot entscheiden, „welches sie eigenwirtschaftlich verantworten“, heißt es in der Antwort auf eine Anfrage der Linke-Bundestagsfraktion.
„Die Bundesregierung spricht zwar neuerdings viel vom Klimaschutz, bei den Taten allerdings sieht es mau aus“, urteilte die Linke-Abgeordnete Sabine Leidig. „Ich erwarte, dass die Koalition endlich konkrete Maßnahmen auf den Tisch legt, die Nachtreisezüge als Alternative zum Flugverkehr fördern.“
Für der Premierenfahrt am gestrigen Sonntag zwischen Wien und Brüssel hatten sich unter anderem ÖBB-Chef Andreas Matthä, die deutsche EU-Abgeordnete Anna Deparnay-Grunenberg (Grüne) und zahlreiche EU-Parlamentarier aus Österreich als Passagiere angekündigt. Der Vizepräsident des EU-Parlaments, Othmar Karas (ÖVP), begrüßte die neue Zugverbindung, die den Zugang für Jugendliche nach Brüssel zu den EU-Institutionen erleichtern werde und zugleich einen Beitrag zum Klimaschutz leiste. dpa