Commerzbank-Prozess stockt

von Redaktion

Geschädigte erscheint nicht zur Verhandlung – Inhaftierter frei

Langsam wird es schwierig für die Strafkammer am Münchner Landgericht: Beim gestrigen Verhandlungstag im spektakulären Prozess gegen die mutmaßliche Panzerknackerbande, die 4,62 Millionen Euro aus Schließfächern der Commerzbank-Filiale am Promenadeplatz entwendet haben soll, ist eine der wichtigsten Zeugen gestern nicht erschienen: die Russin, der die Schließfächer gehörten.

„Wie soll das Gericht die Wahrheit finden, wenn die Geschädigte nicht erscheint?“, stellte Richter Gilbert Wolf ernüchtert fest. Denn dem Gericht fehlen noch immer konkrete Angaben, wie viel Geld sich wirklich in welchem Schließfach befand. Angeblich sind die Schließfächer im Vorfeld umgeräumt worden. Wolf: „Darum tun wir uns so schwer mit dem Verfahren.“

Drei der vier zwischen Dezember 2017 und März 2018 aufgebrochenen Schließfächer gehörten der Russin Evgeniya B., die insgesamt 32 Millionen Euro in sieben Schließfächern gelagert haben soll. Doch ausgerechnet diese Zeugin sowie ihr Sohn fehlten gestern.

Richter Gilbert Wolf wies auf eine weitere Schwierigkeit hin: Die Strafkammer benötige noch Gutachten bezüglich der Software und der Technik der Schließfächer. Die Folge: Für einige wenige Angeklagte könnte noch in dieser Woche ein Urteil fallen, für die übrigen Angeklagten geht es ohne diese Gutachten erst einmal nicht weiter.

Der letzte inhaftierte Angeklagte Besart H. verließ das Gericht gestern schließlich auch als freier Mann. Er kann aus Rechtsgründen nicht länger festgehalten werden. Es wird immer schwieriger für die Strafkammer in diesem spektakulären Prozess. nba

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