Ein Leben fürs Kino: Treffender kann man Bruno Reich, den Gründer des „Rio Filmpalasts“ am Rosenheimer Platz, nicht beschreiben. Er war schon über 80, da stand Reich noch als Kartenabreißer an der Kinotür. Seine älteste Tochter Elisabeth Kuonen-Reich, die den Betrieb 1998 von ihren Eltern übernommen hatte, führte derweil die Geschäfte – sie sollte in die Fußstapfen des Gründers treten. Dann der schwere Schicksalsschlag im vergangenen Jahr: Kuonen-Reich starb mit nur 58 Jahren. Jetzt ist ihr der Vater nach langer Krankheit gefolgt. Er wurde 88 Jahre alt.
Mit dem österreichischen Heimatfilm „Das Erbe von Björndal“ öffneten sich am 1. Dezember 1960 die Pforten des Programmkinos. Zuvor hatte Reich gerade seinen Filmvorführschein in Nürnberg gemacht. Von Anfang an wollte der Kino-König sein „Rio“ als Familienbetrieb verstehen. Neben den drei Kindern der Reichs halfen später denn auch die Schwiegersöhne und Enkel mit. Der überraschende Tod seiner Tochter Elisabeth 2019 warf den Vater und die ganze Familie komplett aus der Bahn. „Wir wünschen uns sehr, dass das Kino im Sinne von Vater und Tochter weitergeführt wird“, sagte gestern Kulturreferent Anton Biebl: „So können sich alle Kino-Fans am besten an sie erinnern.“
In den 60er-Jahren gab es noch 17 Kinos im Münchner Osten, heute sind es nur noch zwei – die „Museumslichtspiele“ und eben das „Rio“. Die Familie Reich trotzte dem Kinosterben, der Digitalisierung und den Streaming-Diensten. Mutig und mit viel Idealismus machten die Reichs immer weiter und etablierten das „Rio“ als Festivalkino: Ob Filmfest oder der Besuch von Regisseuren wie Caroline Link, Marcus H. Rosenmüller oder Dominik Graf – das „Rio“ rollt regelmäßig den roten Teppich aus.
Weitergehen wird es mit dem Kino, so wie es Tradition ist: Es bleibt in der Hand der Familie – vom Sohn bis zum Ehemann von Elisabeth Kuonen-Reich. Auch Oberbürgermeister Dieter Reiter trauert : „Bruno Reich war ein großer Filmliebhaber und Netzwerker. München hat ihm viel zu verdanken.“ 2001 bekam Reich die Medaille „München leuchtet“. TINA LAYES