Braucht es ein eigenes Auto in der Stadt? Wenn es Bus, Bahn und Tram genauso gibt wie Carsharing-Angebote und die Möglichkeit, Autos unkompliziert zu mieten? Meine Antwort: Nein! Deshalb fasse ich den Plan, meinen Fiat Punto zu verkaufen. Gute Dienste hat mir die dunkelblaue Rennsemmel in acht Jahren geleistet. Aber wie viel bekomme ich noch für meinen geliebten Italo-Flitzer? Privat zu verkaufen, bedeutet viel Aufwand. Schneller geht’s über Internet-Plattformen. Ein Selbstversuch in unserer Serie „Reporter im Außeneinsatz“.
Andreas Meier sieht alles. Der Fahrzeug-Techniker im Prüfzentrum des ADAC nimmt meinen Fiat Punto genau unter die Lupe und lässt alle Ergebnisse durch den Computer laufen. Die Kiste spuckt zwei Werte aus: Einmal den Händler-Einkaufswert von 2692 Euro und einmal den Händler-Verkaufswert von 3609 Euro. Hier in Süddeutschland, erklärt mir Maier, kann ich mich getrost am zweiten Wert orientieren. Sollte ich sogar. Alles klar! Das passt zu dem Eindruck, den ich im Internet bekomme: Punto-Modelle werden auf den Verkaufsplattformen meist über 3000 Euro angeboten.
Aber Auto ist nicht gleich Auto. Und mein Punto mit seinen 126 000 Kilometern? Der wurde im September 2011 als Neuwagen zugelassen, ich war in den vergangenen Jahren die einzige Besitzerin, hatte keinen Unfall. Das heißt: Es handelt sich um den Original-Lack. Ein wichtiger Punkt, den auch ADAC-Experte Maier abcheckt – mit einem Lackstärke-Messgerät. Wobei: So, wie der Lack aussieht, gebe es schon die ein oder andere Geschichte. „Da ist eine Delle auf dem Dach, das wissen Sie?“, fragt mich Meier. Und ich kann nur verneinen. Genauso sind mir die kleinen Schäden nach einem Hagelschauer nie bewusst aufgefallen. Die „normalen“ Gebrauchsspuren natürlich schon. Die kleinen Kratzer haben mich noch nie gestört.
Neben solchen Äußerlichkeiten geht es bei der Prüfung, die für ADAC-Mitglieder je nach Umfang zwischen 95 und 130 Euro kostet, vor allem um das Innenleben. Bremsen, Stoßdämpfer und Karosserie kommen unter die Lupe, Elektronik und Rost auch. Es zeigt sich: Die ein oder andere Reparatur wird in den nächsten Jahren wohl anstehen. Zum Beispiel blättert beim Auspuff-Endtopf die Außenschicht ab. Das Mittellager der Motoraufhängung ist nicht mehr ideal. Bei meinem Verbandskasten ist das Haltbarkeitsdatum abgelaufen. Unterm Strich sei das Auto aber in einem guten Zustand.
Im Beratungsgespräch gibt mir Meier weitere Tipps mit auf den Weg – und vorgefertigte Formulare für einen privaten Verkaufsvertrag. Wir sind gespannt, welche Reaktionen ich auf meine Verkaufsversuche bekomme. Wie potenzielle Käufer auf die Schäden am Auto reagieren werden, über die ich ganz offen sprechen werde. Und verbleiben so, dass wir in Kontakt stehen. Der ADAC wird mich bei den Angeboten weiter beraten.
„Schnell und einfach“ zu sein – damit wirbt die Internet-Plattform WirkaufenDeinAuto.de. Mein Selbstversuch zeigt: Bei dem Slogan handelt es sich nicht nur um leere Worte. Man nimmt Kontakt auf – und zack! Wenige Tage später schon kann das Auto weg sein. Doch die Bequemlichkeit hat ihren Preis – und den bezahlt der Kunde…
Erster Schritt ist eine Vorab-Online-Bewertung, bei der man die Grunddaten auf der Plattform eingibt. Nach ein paar Minuten liegt mein Vorab-Angebot vor: 1778 Euro. Die Summe ist weit entfernt von den Orientierungswerten, die mir der ADAC mit 2600 und 3600 Euro genannt hat.
Ich mache einen Termin an der WirkaufenDeinAuto.de-Station an der Landsberger Straße aus. Bis dieser stattfindet, bombardiert mich der Anbieter mit E-Mails. 31 werden es nach wenigen Wochen sein. Die Betreffzeilen: „Verkaufe Dein Auto jetzt“ oder „Ist Dein Punto noch zu haben?“.
So viel Aufmerksamkeit bekomme ich in der Station zunächst nicht. In dem spartanisch mit Stühlen bestückten Container warte ich. Der Mitarbeiter, der mich dann aufruft, ist jung und sympathisch. Dass ich gerade recherchiere, sage ich ihm bei der Probefahrt nicht. Im Gegenteil: Ich stelle mich ein bisschen blöd, erkläre, keine Ahnung von Autos oder deren Verkauf zu haben. Daraufhin beruhigt mich der Verkäufer, dass das nicht schlimm sei. Bei WirkaufenDeinAuto.de sei ich beim richtigen Anbieter. Denn: Nach einem privaten Verkauf würde ich sechs Wochen lang in der Haftung stehen, wenn ein Schaden auftritt. Das sei bei der Plattform nicht so. Dies stellt ADAC-Experte Andreas Meier infrage. Beim Verkauf von privat zu privat gebe es einen Haftungsausschluss, der vertraglich geregelt werden müsse. WirkaufenDeinAuto-Sprecherin Jana Imme sagt dazu nur: „Ein Privatverkauf muss gut vorbereitet sein.“ Sie verweist etwa auf „arglistig verschwiegene Mängel“.
Spannend: Bei der Begutachtung steht der Punto in einer eher provisorischen Werkstatt ohne Hebebühne. Den Mitarbeiter interessieren vor allem Äußerlichkeiten: Dellen und Kratzer im Lack werden beanstandet, auch ein fehlender Service-Termin.
Warum liegt das Angebot so weit unter den Preisen des ADAC? „Unsere Parameter für den Online-Richtwert berufen sich auf komplexe Auswertungen und Berechnungen unterschiedlichster Faktoren“, lautet Immes wenig konkrete Antwort. Und: „Kalkuliert wurde der Preis aufgrund von einem fälligen Service, einem Defekt in der Heckklappe, Hagelschaden usw.“ Samt Hinweis darauf, dass der Online-Wert vor Ort um vier Prozent überboten wurde. Das stimmt: 1847 Euro bietet mir WirkaufenDeinAuto.de letztlich. Ein Angebot, das ich so nicht annehmen möchte.
Ungläubig schaue ich den Verkäufer eines Betriebs an der Landsberger Straße an: Am Ende seiner Rechnung stehen gerade mal 500 Euro. „Ich kann Ihnen 1000 Euro geben. Mehr nicht“, erhöht er dann doch. Drei Mal hat er mich im Gespräch schon gefragt, ob ich das Auto gleich da lasse. Am Ende gehe ich mit einem Kopfschütteln.
An den Autohändler wurde ich über die Online-Plattform Mobile.de vermittelt. Dort habe ich meine Daten angegeben und 1900 Euro als möglichen Ankaufspreis genannt bekommen. Ich mache einen Termin aus und werde, wie schon beim Konkurrenten, mit E-Mails und Telefonaten bombardiert. Vor Ort wird das Auto in wenigen Minuten auf dem Parkplatz ohne Hilfsmittel begutachtet. Dass ich gerade recherchiere, sage ich nicht. Im Büro werden dann die Kosten ermittelt. Geld, das der Händler angeblich in das Auto stecken muss: 1500 Euro zum Beispiel für Lackschäden oder eine Aufbereitung. 2000 Euro, erzählt er mir, könnte ich für einen solchen Punto bekommen. „Wenn alles in Ordnung ist. Aber Ihr Auto hat Schäden.“ Deshalb müsse er von den 2000 Euro den von ihm bestimmten Wert – eben 1500 Euro – abziehen.
Beim Versuch, meinen Wagen privat zu verkaufen, fahre ich zweigleisig: Zum einen schalte ich eine Anzeige auf Internet-Verkaufsplattformen, zum anderen annonciere ich ihn auf ganz klassische Weise im Auto-Markt unserer Zeitung. Dabei verlange ich erst 3900 Euro, dann 3600 Euro. Natürlich ist das nicht billig. Aber: Es gibt nicht besonders viele Puntos auf dem Markt. Auf die Zeitungsanzeige melden sich drei Leute bei mir, auf das Online-Inserat zwei. Zu einem Verkauf kommt es trotzdem nicht. Denn: Alle Anrufer erkundigen sich nur nach dem Wagen und beteuern, sich noch einmal melden zu wollen. Online werden mir pauschal 3000 Euro angeboten. Ohne Nennung eines Grundes. Als ich per E-Mail nachfrage, warum man 900 Euro unter dem geforderten Preis bleiben will, kommen plötzlich doch Fragen nach dem Zustand des Autos. Mir ist das zu blöd, ich gehe nicht weiter darauf ein.
Der große Unterschied zwischen Ankaufsplattformen und privater Anzeige zeigt sich sofort. Man braucht als Verkäufer Zeit und Geduld. Hinzu kommen zum Beispiel Extra-Ausgaben dafür, dass eine Online-Annonce auf der Seite prominent platziert wird. In der Null-Euro-Version verschwindet das Inserat dagegen schnell nach hinten. Vor allem kostet der private Verkauf: Geduld.
Nach diesem Test überlege ich mir, ob ich das Auto überhaupt verkaufe – die Sache ist deutlich komplizierter als gedacht. Und: Ich müsste wohl einiges in die Reparaturen investieren, die mir der ADAC vorgeschlagen hat, wenn ich den Preis erzielen möchte, der mir vorschwebt.