Frühling im Winter: Wegen des milden Wetters entlassen Hasel und Erle schon jetzt ihre Pollen in die Luft. Für Allergiker beginnt eine schwere Zeit. Ein Experte gibt den Betroffenen Tipps.
Die Nase läuft, die Augen tränen – und die Niesattacken nehmen zu: Es ist erst Februar, doch für Allergiker hat die Leidenszeit schon begonnen! Wegen der trockenen und sonnigen Tage sind Hasel- und Erlenpollen in Mengen unterwegs. „Dadurch kommen jetzt wieder vermehrt Allergiepatienten in unsere Praxis“, sagt Hautarzt Dr. Christoph Liebich (53) von der Praxis Dermazent an der Hackenstraße.
Dass der Heuschnupfen immer früher einsetzt, liegt an jahreszeitlichen Verschiebungen. „Dank der Klimaerwärmung haben wir sogar ganzjährigen Pollenflug“, erklärt Prof. Carsten Schmidt-Weber vom Zentrum für Allergie und Umwelt in München. Nach Hasel und Erle folgen Birke, sämtliche Gräser und schließlich Ambrosia (siehe Grafik).
„Wer von einer Pollenallergie betroffen ist, wird sie nie mehr los“, sagt Dr. Liebich. Man könne aber die Beschwerden verringern. Sein Tipp: „Lüften Sie in der Stadt zwischen 6 und 8 Uhr, auf dem Land zwischen 18 und 24 Uhr, im Idealfall mit einem Pollengitter am Fenster.“ Außerdem rät er, vor dem Zubettgehen die Haare zu waschen und die getragene Kleidung nicht ins Schlafzimmer zu legen. „Das sollte auch der Partner tun.“ Sind die Beschwerden zu stark, hilft nur noch der Arzt. „Je nach Schwere der Erkrankung gibt es Antihistaminika als Tabletten, Augentropfen oder Nasensprays, um die Entzündungssymptome zu beseitigen.“ Das Niesen, Tränen und Jucken wird eingedämmt. „Ist die Nase ständig verstopft, kann der Arzt ein Spray mit Cortison verschreiben.“
Den Frühstart in die Heuschnupfen-Saison hat auch Apotheker Dr. Carlo Pirolo (31) bemerkt: „Eigentlich sind wir noch mitten in der Erkältungssaison. Trotzdem steigt jetzt die Nachfrage nach Anti-Allergie-Mitteln wieder an“, sagt der Inhaber der Löwenapotheke am Viktualienmarkt. Ab März gehe es richtig los. Die schlimmste Zeit für Allergiker dauere dann ein bis drei Monate. „Manche Kunden fragen aber im September noch nach Mitteln.“
Eine Allergen-Immuntherapie sei immer sinnvoll, erklärt Dr. Liebich. „Sie verhindert den Etagenwechsel. Die Entzündung kann dann nicht von der Nase auf die Lunge übergreifen und sich zum Asthma ausweiten.“ Bei einer Hyposensibilisierung könne das Immunsystem mit Spritzen, Tropfen oder Tabletten an die Allergene gewöhnt werden. Mindestens drei Jahre seien dafür nötig. Liebichs Fazit: „Ganz auflösen kann ein Pollengeplagter seine Allergie nicht. Aber mit einer vernünftigen Therapie kann er die Symptome lindern.“ M. WILLIAMS, S. SCHNEIDER