Kurz vor Beginn der Fastenzeit haben es die Münchner noch einmal ordentlich krachen lassen. Schließlich war die ganze Faschings-Gaudi mit Beginn des Aschermittwochs um Mitternacht auch schon wieder vorbei – und nun wird bis Ostern erst einmal gefastet. Traditionell haben die tanzenden Marktweiber auf dem Viktualienmarkt gestern das Ende der närrischen Zeit eingeläutet. Monatelang hatten die Standlfrauen ihre Choreografie eingeübt. Angeleitet hatte die Damen Tanzlehrer Christian Langer. Wie gut die Aufführung ankam, zeigte sich an dem vollen Platz vor der Bühne. Wer nicht schon eine Stunde vorher da war, konnte die Damen in den knallbunten Kleidern nur aus der Ferne bewundern.
Die Tradition ist bereits über 100 Jahre alt. Damals war das Ganze natürlich noch nicht so professionell wie heute. Die Marktweiber tanzten einfach nach Lust und Laune vor ihren Ständen. Mittlerweile proben zwischen zehn und 15 Marktfrauen jedes Jahr ab Oktober. Für das Programm studieren sie immer zehn neue Tänze ein. Die farbenfrohen Kleider der Damen repräsentieren den jeweiligen Stand. Egal ob Bäckerin, Blumenhändlerin oder Obstverkäuferin – das Kostüm zeigt, wer was verkauft.
Bei aller Feierlaune gab es gestern aber auch ernste Töne. Oberbürgermeister (OB) Dieter Reiter (SPD) hatte wegen des tödlichen Anschlags in Hanau vergangenen Mittwoch (wir berichteten) seine Teilnahme am Faschingstreiben abgesagt. Kommunalreferentin und OB-Kandidatin Kristina Frank (CSU) gedachte der Opfer: „Wir sind in Gedanken bei den Opfern von Hanau und den Verletzten in Volkmarsen.“ Wie berichtet, war im hessischen Volkmarsen ein 29-Jähriger beim Rosenmontagsumzug mit seinem Mercedes in die Menschenmenge gerast. Boris Schwartz, Markthallen-Chef, bat deshalb gestern um eine Gedenkminute. München halte gegen rechtsradikalen Terror zusammen, so Schwartz. Frank betonte: „Wir dürfen dem Terror nicht unser Leben widmen und trotzdem feiern.“
Daran hielten sich die Münchner. Als die Faschings-Show am Viktualienmarkt zu Ende war, zog die Menge weiter zum Straßenfasching „München narrisch“. Die Innenstadt war wie jedes Jahr gestopft voll. Daran änderte auch die Sorge wegen des Coronavirus nichts. Manche waren sogar als Virus verkleidet, andere als Bierflasche der gleichnamigen Marke oder im Ganzkörperanzug mit Schutzmaske.